k-mi – Aktuelle Themen

Hamburg Trust: Wurden Prospekthaftungsrisiken verheimlicht?

In 'k-mi' 01/18 ("Hamburg Trust: Schadensersatz-Tsunami bei Skandalfonds") berichteten wir über die Klageflut bei den beiden US-Immobilienfonds Hamburg Trust HTG USA 2 GmbH & Co. KG (Finest Selection 1) und Hamburg Trust HTG USA 4 GmbH & Co. KG (Finest Selection 2). Hintergrund ist ein Coup im Jahr 2014, als sich die deutschen Anleger mit ihrem Investment in einem börsennotierten REIT der Paramount Group, eine US-amerikanische Gesellschaft der Otto-Familie, wiederfanden – eingefädelt durch den US-amerikanischen General Partner Paramount. Und um die Zufälle komplett zu machen, hielt Albert Behler, CEO von Paramount, zu jenem Zeitpunkt auch die Gesellschaftsanteile von Hamburg Trust. Ein Schelm, der dabei etwas Böses denkt? Weit gefehlt, wie Hamburg Trust noch am 18.06.2015 gegenüber 'k-mi' bezugnehmend auf mögliche Zweifel an einer kritischen Prüfung der IPO-Absichten durch das Hamburger Emissionshaus betonte: "Die von Ihnen angemahnte 'kritische Prüfung (…) im Vorfeld' ist durch uns sehr wohl und unmittelbar nach Kenntniserlangung der IPO-Pläne im März 2014 initiiert worden (…) So haben wir zunächst eine internationale Anwaltskanzlei mit der rechtlichen Prüfung der geplanten Restrukturierungsmaßnahmen mandatiert (…) Die Prüfung durch die unabhängigen Rechtsexperten für das Recht der Cayman Islands hatte ergeben, dass auf Basis der vorgelegten Dokumente weder von rechtlichen Einflussnahmemöglichkeiten des eigenen Fonds-Managements (in der Funktion als Anleger der Beteiligungsgesellschaft) noch von einem rechtsfehlerhaften Verhalten des Paramount-Managements auszugehen sei. Folglich lag auch kein Sachverhalt vor, der den eigenen Fondsanlegern Mitbestimmungs- oder Zustimmungsrechte oder sonstige Einspruchsrechte vermittelt hätte (…)", so die Aussage von Dirk Hasselbring in Funktion als damaliger Geschäftsführer der Hamburg Trust REIM Real Estate Investment Management GmbH. Ungewöhnlich allerdings, dass die Anleger erst rund ein halbes Jahr später, also kurz vor dem IPO von Hamburg Trust darüber informiert wurden, dass ihre Fonds-anteile in einen REIT eingebracht werden sollen. Mit dem nicht ganz unwesentlichen Geschmäckle, dass hier mal so eben fast die Hälfte des Fondskapitals im Gebührendschungel verpuffte.

Aus Anlegerkreisen ist 'k-mi' nun ein aktueller Zwischenbericht des Fondsbeirats in die Hände gespielt worden, der Sprengkraft in sich hat. Dort verweist das Beiratsmitglied Peter Sissovics auf ein für Hamburg Trust erstelltes Memorandum der Kanzlei Curtis, Mallet-Prevost, Colt & Mosle LLP/Frankfurt aus April 2014, das sich mit der Frage der Prospekthaftung im Zusammenhang mit dem geplanten IPO beschäftigt. Die Juristen halten darin fest, dass im Verkaufsprospekt weder auf die Möglichkeit eines Börsenganges als solches hingewiesen wurde noch auf die Tatsache, dass mit den hierzu durch den General Partner veranlassten Maßnahmen konkrete rechtliche, steuerliche, und/oder wirtschaftliche Veränderungen und damit ggf. auch Risiken/Nachteile für die einzelnen Anleger in FS1 und FS2 verbunden sein könnten. "Mithin sind die beiden Verkaufsprospekte nach unserer Einschätzung an dieser Stelle zwar nicht unrichtig, jedenfalls aber auch nicht vollständig." Die Rechtsexperten von Curtis halten sodann fest, dass Anlegervertreter, je nach Ausgestaltung der sie im Rahmen des Börsenganges ggf. treffenden Nachteile, argumentieren können, die Verkaufsprospekte hätten nicht alle zur Beurteilung der Vermögensanlage erforderlichen wesentlichen Angaben enthalten. "Damit fehlten aus Sicht eines durchschnittlichen Anlegers möglicherweise für den Anlageentschluss entscheidungserhebliche Angaben, was einen haftungsrechtlich relevanten Prospektfehler i. S. des §§ 13, VerkProspG 44 BörsG darstellen würde", so die Juristen.

Doch damit nicht genug, sogar der englische Text im LPA (Limited Partnership Agreement) zur Abwahl des General Partners oder der Liquidation der Cayman-Island Gesellschaft zum deutschsprachigen Text im Verkaufsprospekt unterscheidet sich in einem ganz wichtigen Punkt. "Dieses LPA wurde vor der Zeichnung der Beteiligung keinem Gesellschafter zur Verfügung gestellt. Im deutschen Text des Prospektes wird von JEDERZEIT gesprochen. Im englischen Text ist dagegen eine 180 Tage-Frist vorgesehen, welche man dem General Partner zur Heilung von Mängeln zugestehen muss. Erst danach könnte die Abwahl des General Partners oder die Liquidation erklärt werden. Darüber hätte der Prospekt aufklären müssen. Denn wenn man ein halbes Jahr warten muss, bevor man handeln kann, ist eine effektive Kontrolle für den 99,7%igen Limited Partner (unsere Fondsgesellschaft) nicht möglich", so Sissovics im Beiratsschreiben. Fest steht somit, Hamburg Trust war bereits im April 2014 in Kenntnis darüber gesetzt, dass der geplante IPO möglicherweise Prospekthaftungsansprüche auslösen kann. Darüber hat der Fonds-anbieter seine Anleger nicht informiert. Statt dessen wurden Nebelkerzen im Sinne einer im Vorfeld kritischen, aber unbeanstandet geblieben juristischen Prüfung gezündet, um so vermutlich zu verschleiern, weshalb Hamburg Trust die Anleger erst kurz vor dem Börsengang über die Absichten – jedoch ohne deren wirtschaftliche Auswirkungen zu nennen – informierte. Damit war faktisch ein Hinterfragen der Pläne durch die deutschen Investoren zeitlich unmöglich, stattdessen wurden unverrückbare Fakten geschaffen.

'k-mi'-Fazit: Immer deutlicher verfestigt sich hier der Eindruck, dass Hamburg Trust im Sinne von Paramount und zum Vorteil von Albert Behler bzw. der Otto-Familie die Füße gegenüber den Fonds-anlegern stillhalten musste, um den REIT-IPO durch kritisch gestimmte Anleger nicht zu gefährden. Schließlich ging es nicht um Peanuts, sondern um weltrekordverdächtige 1,2 Mrd. US-$ an Kosten (vgl. 'k-mi' 30/15), die hier von Paramount beim Börsengang verballert wurden und an denen sich die deutschen Anleger mit Millionensummen beteiligen mussten! 

Teilen Sie diese Neuigkeit in Ihrem Netzwerk