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Was ist los bei P&R? – Branche hält den Atem an

Am Mittwoch teilte der Container-Direktinvestment-Anbieter P&R seinem Vertrieb ohne weitere Begründung mit, dass "sich die Geschäftsleitung dazu entschlossen" habe, "die laufenden Angebote 5005 (CIP) und 6005 (CLP) mit sofortiger Wirkung aus dem Vertrieb zu nehmen und den Vertrieb der Produkte einzustellen". Weiter hieß es vorerst nur: "Wir bitten Sie, ab sofort keine weiteren Verträge mehr abzuschließen. Weitere Informationen dazu folgen." P&R gehört zu den größten Anbietern im Sachwertbereich und hat in den letzten Jahrzehnten nach eigenen Angaben Container-Direktinvestments in Höhe von mehreren Milliarden Euro platziert. Der überraschende Vertriebsstopp steht ggf. in Zusammenhang damit, dass der Anbieter erst vor wenigen Tagen Zahlungsschwierigkeiten bei Mieten und Rückkaufzahlungen bei einem Teil seiner Angebote einräumen musste.

Am 27. und 28. Februar 2018 teilte P&R seinem Vertrieb und den betroffenen Anlegern mit, dass sich "bei wenigen Kunden die Auszahlung der Q.IV 2017 Miete sowie die Auszahlung von fälligen Rückkäufen mit Ablaufdatum 27. bis 30. Dezember 2017 verzögern" werde. "Von der verspäteten Mietauszahlung ist jedoch nur ein kleiner Teil aus den 'Altverträgen' (LF, GC, CL) betroffen und damit nur ein geringer Prozentsatz unserer Kunden." Gleichzeitig gibt es nun auch erste Spekulationen darüber, dass eine aktuelle BaFin-Maßnahme hinter dem offenbar unfreiwilligen Vertriebsstopp stehen könnte. Auf schriftliche sowie telefonische Anfrage von 'k-mi' wollte sich P&R zu keinem der vorgenannten Punkte äußern. Es wurde auf eine Stellungnahme verwiesen, die in den nächsten Tagen bzw. in der nächsten Woche folgen soll.

'k-mi' hatte vor Direktinvestment-Angeboten von P&R wiederholt gewarnt, zuletzt in den Ausgaben 08 und 25/17. Neben der mangelnden Transparenz ist für 'k-mi' die Frage entscheidend, wie unabhängig das Geschäftsmodell vom Neu-Platzierungsgeschäft ist. Zur Stunde ist daher ungewiss, ob der Vertriebsstopp lediglich formale Gründe hat, oder ob bspw. die Finanzaufsicht BaFin im Rahmen ihrer neuen Anlegerschutzkompetenzen interveniert hat. Auch wenn Ausmaß und Hintergründe noch unklar sind, sehen wir unsere langjährige Kritik am Modell von 'P&R' durch die aktuellen Vorgänge bestätigt: Insbesondere der Vertrieb setzt sich u. E. unkalkulierbaren Haftungsrisiken durch die intransparente Struktur der P&R-Gruppe aus. Laut dem aktuellen Rahmen-Prospekt der nun bereits wieder geschlossenen Vermögensanlage 5005 vom 08.01.2018 sollte eigentlich die Emittentin P&R Transport-Container GmbH zum Ende des Jahres 2017 über einen Liquiditätsüberschuss von 185 Mio. € verfügen und die P&R Equipment & Finance Corp. per Ende 2016 zudem auf einem weichen Liquiditätspolster von 112 Mio. € gebettet sein. Von den jetzt möglicherweise zu Tage tretenden Engpässen in der P&R-Gruppe konnten Anleger und Vertriebe anhand des gerade erst mal acht Wochen alten Prospektes also nichts ahnen. Der Prognose im aktuellen Prospekt von P&R liegt zudem die sportliche bzw. fast schon größenwahnsinnige Annahme zugrunde, von 2018 bis 2023 pro Jahr Container im Volumen von 550 Mio. € an Anleger verkaufen zu können.

Auch die P&R-Vertriebe tappen aktuell im dunklen, da P&R eine Art Kommunikationssperre verhängt hat, so dass die Verunsicherung wächst und Spekulationen beflügelt werden. Nicht nur für die Investoren, auch für den Vertrieb ist das eine mehr als unangenehme Situation. Erst vor kurzem, d. h. im Januar und Februar 2018, haben bspw. TKL und Dextro ganz frische "Plausibilitätsprüfungen" und "Stabilitätsanalysen" zum aktuellen P&R-Angebot 5005 veröffentlicht. 'k-mi' meint: Sollte die Situation bei P&R sich nun verschlechtern, muss sich erst zeigen, was solche 'Persilscheine' für den Vertrieb wert sind. Die Transparenz- und Plausibilitätslücken bei P&R waren u. E. immer vorhanden und von 'k-mi'-Prospekt-Checks seit langem angeprangert. Einige Vertriebe haben jedoch beide Augen zugedrückt, oft mit dem Hinweis: "Bisher ist doch alles gut gegangen."

'k-mi'-Fazit: Die Anforderungen an einen reibungslosen Vertrieb und an eine funktionierende Liquiditätssteuerung sind bei P&R brutal. Ganz zu schweigen von den 133,6 Mio. €, die Konzerneigner Heinz Roth in diesem Zeitraum an Zahlungen bei prognosegemäßem Verlauf mindestens zustehen würden! Ungeplante Vertriebsstopps passen hier also gar nicht ins Programm! Sollte sich die Situation bei P&R zuspitzen, belegt dies u. E. jedoch nicht, dass es zu wenig Regulierung gibt, sondern dass diese eine Folge der Regulierung ist. Äußerst misslich ist in diesem Zusammenhang zudem, dass P&R angekündigt hat, bis in die nächste Woche hinein keine Stellungnahme abzugeben. Transparenz sieht anders aus!

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