fit – Aktuelle Themen

Aktien – Jahresrückblick 2017

Das Börsenjahr 2017 verlief insgesamt nicht nur außerordentlich positiv, sondern auch ungewöhnlich ruhig. Die Kursausschläge fielen dabei sowohl am Aktien- als auch am Rentenmarkt so gering aus wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Gemessen am STOXX 50-Index kletterten die Kurse 2017 allerdings nur um magere 5,6 %. Der DAX schraubte sich um 12,5 % nach oben, und wenn man aus Gründen der besseren Vergleichbarkeit den DAX-Kursindex als Kenngröße heranzieht, stiegen die Kurse nur um etwa 8,5 %. Der Süden Europas hat diesmal den Norden deutlich abgehängt. Die Aktienmärkte in Italien (+13 %), Spanien (+7 %) und Portugal (+15 %) brachten deutlich bessere Ergebnisse als die Indizes in Schweden (+0,9 %) oder Norwegen (+4 %). Die Währungsverschiebungen zu Gunsten des Euro hatten wieder einmal einen signifikanten Einfluss auf die Anlageergebnisse für Investoren, die in Euro abrechnen. Dadurch wurde ein Großteil der teilweise stattlichen Auslandserträge drastisch reduziert. In den USA war trotz der eindrucksvollen Rekordjagd des Dow Jones-Index deshalb nur ein Plus von etwa 10 % drin. Auch der hohe Zuwachs an der japanischen Börse reduziert sich für Euro-Anleger auf die Hälfte mit einem immer noch akzeptablen Plus von etwa 9 %. Das gilt auch für die Börse in Hongkong, die mit einem Plus von 36 % in Landeswährung währungsbereinigt einen nur halb so hohen Wertzuwachs brachte wie für Hongkong-Chinesen. Exotenbörsen wie Shanghai oder Russland waren dabei nicht immer die richtige Wahl. Während die Rubel-Schwäche einen Verlust von bis zu 10 % für Anleger brachte, kam der Aktienmarkt im Reich der Mitte auf Euro-Basis kaum von der Stelle.

Die Empfehlungen der 'finanztip'-Redaktion haben sich im vergangenen Jahr trotz der teilweise drastischen Währungseinschnitte sehr gut gehalten. Insgesamt konnten wir im Jahresverlauf 49 Kaufempfehlungen aussprechen, die auch tatsächlich zu unseren Wunschkaufkursen umgesetzt wurden. Allerdings wollen wir Ihnen nicht verschweigen, dass wie im Vorjahr fünf unserer Vorschläge außerordentlich schlecht abgeschnitten haben und teilweise hohe (Buch-)Verluste brachten. Die mit Abstand schlechteste Empfehlung war dabei die Satelliten-Aktie SES (ISIN: LU0088087324) in Ausgabe 16. Aufgrund von technischen Problemen bei einigen Satelliten wurden die Gewinnschätzungen drastisch gekappt, was den Kurs aus der Umlaufbahn geschossen hat. Einen weiteren unerwarteten Schwächeanfall erlitten die Empfehlungen Hikma (ISIN: GB00B0LCW083) und Shire (ISIN: IE00B2QKY057), nachdem die Preise für Medikamente unter erheblichem Druck standen und der Absatz einiger Substanzen die Zielsetzungen verfehlte. Bei Gerry Weber (ISIN: DE0003304101) und China State Construction (ISIN: KYG216771363) wurden die Gewinnerwartungen ebenfalls zu optimistisch eingeschätzt bzw. durch eine Kapitalerhöhung verwässert. Wer in diese Unternehmen investiert hat und jetzt auf Verlusten sitzt, sollte jedoch nicht unüberlegt handeln, sondern an den Werten festhalten. Denn unserer Überzeugung nach ist es weitaus weniger relevant, wohin die kurzfristige, durch Zufallsbewegungen überlagerte Reise eines Aktienkurses geht. Entscheidend bleiben die langfristige Strategie und die Solidität des Unternehmens. Wir möchten deshalb einmal an die Situation vor ziemlich genau einem Jahr erinnern. Unsere im Jahresverlauf 2016 vorgestellten Empfehlungen sind ebenfalls nicht alle sofort aufgegangen, schließlich sind wir ja keine Hellseher. Insgesamt erzielten wir aber mit den in 2016 vorgestellten Werten bis Anfang 2017 eine Trefferquote von etwa 80 %. Auch 2016 hatten wir mit Finnair, WCM, BYD und Lufthansa vier außerordentlich schlecht abschneidende Werte vorgestellt, die hohe Verluste eingeflogen hatten. Im Verlauf des Jahres 2017 hat das Verlierer-Quartett des Vorjahres jedoch erheblich an Boden gutgemacht und die Aktien zählten mit zu den besten Werten. Alle Verlustbringer von 2016 gingen bis auf die ausgestoppten  Persimmon 2017 mit einem fetten Gewinn aus den Depots. Zusätzlich haben wir im Jahresverlauf eine Vielzahl von Altempfehlungen mit Kursgewinnen von bis zu 300 % realisieren können. Diese sind in der Tabelle nicht enthalten.

Ebenfalls nicht in der Tabelle gelistet sind zwei Empfehlungen aus dem Jahr 2017, bei denen wir den Kursverfall zur Verbilligung unserer Einstandspreise genutzt haben. Bei dem britischen Ölwert Petrofac (ISIN: GB00B0H2HK534) haben wir unseren Einstandspreis von 16 € verbilligt, indem wir im 'finanztip' 24/17 zum Tiefstkurs von 4,90 € noch einmal nachgekauft haben. Gemessen an unserem zweiten Einstiegskurs liegt das Investment mit 27 % im Plus. Die Gesamtposition beim Kauf gleicher Mengen liegt aber einschließlich der Ausschüttungen damit nur noch mit etwa 30 % in der Verlustzone. Die Bestände bleiben haltenswert.

Auch die Kursdelle bei dem mittelständischen Unternehmen Surteco (ISIN: DE0005176903) im Sommer vergangenen Jahres konnten unsere Leser zur Verbilligung des Einstandskurses nutzen und Anteile zum Preis von 24,23 € erwerben. Die zweite Tranche liegt damit nach etwa einem halben Jahr mit 16 % im Gewinn. Gemessen am Durchschnittseinstandspreis liegt der Kursgewinn inzwischen bei etwa 7 %. Die Dividenden (nächste Ausschüttung Ende Juni) kommen noch dazu. Wir empfehlen, die Positionen weiterhin zu halten.

Das Beispiel macht deutlich, dass es Sinn macht, längerfristig in Aktien zu investieren. Das gilt auch für die Verlierer-Aktien des Jahres 2017. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten. Von den übrigen Empfehlungen im Jahresverlauf konnten bereits 19 Kaufvorschläge entweder komplett oder teilweise mit überwiegend hohen Kursgewinnen nach wenigen Wochen abgeschlossen werden. Einige Werte wie beispielsweise Dr. Hönle (ISIN: DE0005157101) zählten dabei mit rund 80 % Kursgewinn zu den besten Werten in Deutschland. Im Klartext: Fast 40 % der vorgeschlagenen Werte brachten bereits einen Erfolg, der schon realisiert wurde. Wir verstehen uns allerdings nicht als Tippgeber, die auf schnellen Erfolg aus sind, sondern als langfristige Betreuer beim Aufbau eines Vermögens. Entscheidend ist es deshalb, nicht möglichst viele Kaufempfehlungen auszuspucken, sondern dem Leser auch nach dem Kauf zur Seite zu stehen. In diesem Zusammenhang haben wir im vergangenen Jahr auch die teilweise erheblichen Gewinne bei einigen Altempfehlungen wie bei Nibe Industrie (ISIN: SE0008321293) sicher ins Trockene gebracht. Noch wichtiger ist es allerdings, rechtzeitig aus schwachen Werten auszusteigen, um Kursverluste zu vermeiden. So haben wir beispielsweise in den 'finanztip'-Ausgaben 4, 6, 14, 15 und 34 vor einer sehr wahrscheinlichen Schieflage bei Alno, Airberlin oder Beate Uhse ausdrücklich gewarnt. Darüber hinaus legten wir unseren Lesern nahe, rechtzeitig aus einigen sehr schwach abschneidenden Papieren auszusteigen. Bei dem DAX-Wert Fresenius (ISIN: DE0005785604) rieten wir zu einer Gewinn-Mitnahme von 140 %. Fresenius war im Verlauf des Jahres 2017 der zweitschlechteste Wert im DAX.  Über 100 % Kursgewinn realisierten wir auch noch rechtzeitig bei dem SDAX-Wert TAKKT (ISIN: DE0007446007). TAKKT-Aktien gerieten 2017 ziemlich aus dem Rhythmus mit –16 % und waren damit einer der schwächsten Nebenwerte. Bei diesem qualitativ sehr guten Wert sind wir anschließend erneut wieder fast zu Tiefstkursen eingestiegen und das Engagement liegt derzeit schon mit 10 % im Gewinn.

Insgesamt trauten die Analysten den Aktienmärkten viel zu wenig zu, als sie vor etwa einem Jahr ihre Glaskugeln bemühten. Die prognostizierte Rendite zwischen 5 und 7 % wurde an den meisten Börsen deutlich übertroffen. Auch für das laufende Jahr geht die Mehrzahl der Prognosen erneut von einem moderaten Zuwachs bei den Aktienkursen aus. Allerdings dürfte es im weiteren Jahresverlauf kaum so ruhig zugehen wie in den zurückliegenden 12 Monaten. Beachten Sie deshalb peinlichst genau unsere Stoppmarken!

Teilen Sie diese Neuigkeit in Ihrem Netzwerk