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Aktienfonds im ersten Halbjahr

Für Anleger in der Schweiz und in New York endete die erste Börsenhalbzeit mit einem neuen Indexrekord. Die Aktienmärkte haben damit das erste Halbjahr trotz zahlreicher Belastungsfaktoren mit Bravour gemeistert. Investoren konnten nach dem Ausverkauf 2018 wieder zweistellige Gewinne erzielen. Impulsgeber für den Aufschwung waren die Aussichten auf neue Zinssenkungen und keine weitere Eskalation bei den Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA. Auch die massiven Aktienrückkäufe in den USA im Gegenwert von mehr als 800 Mrd. USD haben zu einer Verknappung der Angebote an Dividendenpapieren geführt und damit einen Teil zum Aufschwung beigetragen.

Im Juni steigerte der DAX seinen Marktwert immerhin um knapp 6 % und seit Jahresbeginn liegen Anleger mit deutschen Standardwerten damit etwa 17 % im Plus. Fairerweise müssen wir der besseren Vergleichbarkeit wegen etwa drei Prozentpunkte durch die eingerechneten Dividenden abziehen; schließlich wird die Wertsteigerung bei den meisten Vergleichsindizes wie Dow Jones und Standard & Poor's 500 (+17,3 %) auch ohne Dividendenerträge angegeben.

Es bleibt aber immer noch ein stolzer Wertzuwachs beim DAX. Während bundesdeutsche zehnjährige Staats-Anleihen auf ein neues Allzeittief von –0,33 % absackten, konnten Investoren mit Aktien eine satte Rendite an Land ziehen. Land unter galt auch bei US-Staatsanleihen: Die Zehnjahresrendite rutschte auf ein neues 32-Monatstief ab, während das Indextrio Dow Jones, S&P 500 und der Nasdaq neue Rekordstände erklimmen konnte und Anfang Juli sogar neue Höchstkurse erreichte. Etwa 14 % Zuwachs brachten europäische Aktien. Bester Markt war neben der Börse in Moskau auch Griechenland und die Technologiebörse Nasdaq mit einem Zuwachs von 20 %. Zu den besten Branchen und Sektoren zählten in den vergangenen sechs Monaten die Bereiche Energie, Rohstoffe, Chemie und IT.

Wie geht es weiter in der zweiten Börsenhälfte? Nachdem das G20-Treffen in Osaka ohne konkrete Ergebnisse endete und der Handelsstreit zwischen China und den USA wahrscheinlich die Börsen noch lange begleiten wird, belasten einige Unwägbarkeiten (deutliche Zunahme der Gewinnwarnungen, geopolitische Spannungen) den Markt. Das scheint die Investoren allerdings nicht zu stören. Da die Notenbanken zumindest die Ernte am Rentenmarkt verdorben haben, sucht das Anlagekapital nach weiteren Zins- und Renditeoasen.

An den Aktienmärkten könnte es fündig werden. Denn trotz des Aufschwungs in den vergangenen Monaten und einer zehnjährigen Hausse sind die Märkte zumindest in Europa (KGV 13) und Deutschland (KGV 12,5) nicht generell überbewertet und allein schon aufgrund der Ausschüttungen interessant. Zwischen 3 % und 4 % Dividendenrendite sind dabei drin, einige Werte rentieren sogar noch höher.

In den USA sind die Märkte allerdings bereits ambitioniert bewertet. Wie gut die Ernte in der ersten Jahreshälfte ausfiel, zeigt ein Blick auf die Börsenhistorie. Nach Aussagen der Helaba gab es seit 1928 insgesamt nur elf Jahrgänge, in denen der Aktienmarkt innerhalb von sechs Monaten um mehr als 15 % stieg. Wie es weitergeht, verraten allerdings weder die Kristallkugeln der Analysten noch die Kurvendeuter und Kaffeesatzleser in den Banken.

Im Durchschnitt lagen die Kursveränderungen in der zweiten Jahreshälfte bei durchschnittlich 1,2 % mit großen Ausreißern nach unten (1987: –18,7 %) und nach oben (1954: + 23,2 %). Aufgrund der bereits hohen Bewertung erachtet die Helaba eine Seitwärtsbewegung als das wahrscheinlichste Szenario. Die Credit Suisse sieht zwar noch vereinzelt Perspektiven bei Aktien, rät aber dennoch bei stark gelaufenen Einzelwerten und Branchen zu Gewinnmitnahmen. Bei einer neutralen Gewichtung von Aktien sollten Investoren defensive europäische Dividendenwerte bevorzugen. 

Etwa 36,5 Mrd. € werden allein die DAX-Unternehmen an die Aktionäre im laufenden Jahr ausgeschüttet haben, wobei der Großteil der Auszahlungen in den Monaten April bis Juni geleistet wird. Interessant dabei ist, dass nur etwa 12,5 Mrd. € dieser Summe in die Depots der deutschen Sparer fließen. Der Löwenanteil von über 24 Mrd. € landet wie in den Vorjahren wieder in den Schatullen der internationalen Großanleger, die die Qualität der heimischen Unternehmen offenbar höher einschätzten als der deutsche Michel, der selbst bei einem Niedrigzinspegel immer noch Tagesgeld bevorzugt.

Immerhin 19 DAX-Unternehmen befinden sich nach Aussagen der NordLB zu über 50 % in den Händen ausländischer Investorengruppen. Deutsche Investoren halten insgesamt nur noch etwa ein Drittel der DAX-Unternehmen, wobei der Anteil von Privatinvestoren rein rechnerisch bei etwa 11 % liegen dürfte. Das Misstrauen nach dem Drama um die 'Volksaktie' Telekom sitzt tief!

Dabei fällt das Ergebnis von Aktien auf lange Sicht trotz der nervenaufreibenden Schwankungen keineswegs so schlecht aus, wie viele vielleicht vermuten. Gemessen am Startzeitpunkt vor 31 Jahren hat sich der DAX inklusive der Dividenden in etwa verzehnfacht und damit eine jährliche Durchschnittsrendite von fast 8 % p. a. gebracht. Wertvollstes Unternehmen – gemessen an der Marktkapitalisierung – ist inzwischen SAP, ein Technologiekonzern, der 1988 noch gar nicht im DAX gelistet war. Es empfiehlt sich also, von Zeit zu Zeit die Depotstruktur zu überprüfen und lahme Enten auszusortieren.

Das gilt im Übrigen auch für ein Fondsdepot. Wie wir seit Jahren immer wieder betonen, gelingt es nur den wenigsten Fondsmanagern, den Index dauerhaft zu schlagen. Dauerhaft ist dabei wichtig, weil es durchaus Zufallstreffer geben kann. Wer jedoch mit hoher Beständigkeit den Index schlägt, erzielt keine Zufallstreffer, sondern hat eine überlegene Anlagestrategie. Das Freiburger Analyse- und Fondshaus Greiff Capital Management hat deshalb erneut über 8.000 Fonds genauer unter die Lupe genommen und die besten Geldverwalter anhand ihrer Leistungen herausgefiltert.

Ergebnis: Nur etwas mehr als 2 % der Fondsmanager schafft es, den Vergleichsindex sowohl über drei und fünf als auch über zehn Jahre kontinuierlich zu schlagen. Ausgesprochen mager fällt dabei das Ergebnis für Fonds aus der Eurozone und Europa aus. Ein Ergebnis, das wir auch bei unseren Recherchen bestätigen können. Von den wenigen Fonds, die die Feuertaufe der Auslese bestanden haben, befinden sich etwa ein halbes Dutzend auch in unserer vierteljährlich erscheinenden Tabelle der am besten abschneidenden Fonds.

Der Squad Growth A Fonds (ISIN: LU0241337616) schaffte es während der zehn Jahre anhaltenden Aufschwungphase auf ein stattliches Plus von 17 % p. a. Schwerpunkte sind die Branchen IT mit 30 %, gefolgt von Industrieunternehmen (18 %) und Konsumgüterwerten (17 %). Länderseitig bilden Titel aus Deutschland (40 %) und Europa (37 %) die Schwergewichte.

Auch die Fondsbranche leidet nach Aussagen des Branchenverbands BVI immer mehr unter dem zunehmenden Regulierungs- und Kontrollwahn der Bürokraten. Wie der Verband in seinem Jahrbuch 2019 informiert, wurden allein in den vergangenen acht Jahren 72 fondsrelevante Richtlinien und Verordnungen erlassen, auf die 992 Rechtsakte folgten. Ob sich durch die zunehmenden Regulierungen und Bevormundungen der Anleger allerdings der Anlegerschutz tatsächlich verbessert, bezweifeln wir. Gerne können Sie uns Ihre persönlichen Erfahrungen und Eindrücke mitteilen.

So gut wie bei den Top-Fonds in unserer Tabelle (vgl. Seite 1) läuft es allerdings nicht bei allen mehr oder weniger aktiv gemanagten Aktienfonds. Ein u. E. vollkommen überflüssiges Produkt hat beispielsweise wieder einmal die Deka bereits Ende 2012 aufgelegt. Mit dem Fonds Deka Europa Dividend Discount Strategie (ISIN: DE000DK2CGN4) wurde ein Produkt entwickelt, das mit dem Einsatz von Derivaten und dem Verkauf von Kaufoptionen eine überdurchschnittliche Rendite zu erzielen beabsichtigt. Das hat allerdings zumindest seit Auflage des Fonds nicht einmal ansatzweise funktioniert.

Trotz rekordverdächtig gut laufender Börsen konnte mit diesem Produkt seit Auflage nur eine minimale Rendite erzielt werden. Unser Fazit: Wenn's um Geld geht, gibt es bessere Produkte als dieses von der Sparkasse. Ein vergleichbarer Mischfonds wie beispielsweise der DJE Europe (ISIN: LU0159550408) konnte im zurückliegenden Fünfjahreszeitraum einen kumulierten Wertzuwachs von mehr als 43 % aufweisen – etwa dreimal soviel wie der Deka-Fonds. Der auf Aktien spezialisierte Squad Fonds schaffte es im Vergleichszeitraum auf einen Wertzuwachs von 150 %.

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