Über die Hälfte der Unternehmen in Europa hat im zweiten Quartal bessere Ergebnisse ausgewiesen als erwartet. Trotzdem kommt am Markt keine überschäumende Kauflust für Dividendenpapiere auf. Der Grund: Die Analysten-Gilde schraubte die Schätzungen bereits im Vorfeld stark zurück. Grundsätzlich ist auch für die kommenden drei Quartale von einer sinkenden Tendenz bei Umsätzen und Gewinnen auszugehen.
Ein dickes Liquiditätspolster erscheint deshalb sinnvoll ++ Ein Verkauf bietet sich bei dem weltweit viertgrößten Autohersteller Stellantis N.V. an. Die Franzosen erzielten in den ersten sechs Monaten bei einem Umsatzanstieg von 12 % auf 98,4 Mrd. EUR eine operative Rekordgewinnmarge von 14,4 %. Unterm Strich blieb ein Reingewinn von 10,9 Mrd. EUR (+11 %) in der Bilanz – ein ausgezeichnetes Ergebnis für einen Massenhersteller.
Stellantis kaufte in der ersten Jahreshälfte Aktien im Wert von etwa 700 Mio. EUR zurück und will das geplante komplette Rückkaufprogramm im Umfang von 1,5 Mrd. € noch in diesem Jahr abschließen. Insgesamt sollen so 45 Mio. Aktien aus dem Markt genommen werden. Die Schatullen sind bei einer Netto-Finanz-Position von gut 24 Mrd. EUR prall gefüllt. Wer unseren Kaufvorschlag in 'finanztip' 37/22 zu 13,22 EUR umgesetzt hat (ISIN: NL00150001Q9), liegt hier inzwischen mit 34 % im Plus und konnte im April zusätzlich noch eine hohe Ausschüttung von 1,34 EUR je Aktie einstreichen.
Analysten gehen davon aus, dass die Dividenden weiterhin auf einem hohen Niveau bleiben. Nachdem wir bereits mit der ersten Hälfte zum Verkauf und einer Gewinnrealisierung von 30 % geraten haben, können sich Anleger jetzt auch vom Restbestand verabschieden. Das Engagement ist somit mit einem Gesamterfolg von 35 % in nur elf Monaten abgeschlosse.n
++ Besser als erwartet lief es bei Unilever (ISIN: GB00B10RZP78). Der gut 90 Jahre alte Konsumgüterhersteller konnte den bereinigten Umsatz in der ersten Jahreshälfte um 9,1 % auf 30,4 Mrd. EUR anheben und dabei einen Gewinn von 5,2 Mrd. EUR und eine hohe operative Gewinnmarge von 17,1 % ausweisen. Unilever verkauft seine ca. 400 Markenprodukte bereits zu 46 % in den Regionen Afrika, Asien, Mittlerer Osten und Russische Föderation. Nur noch etwa ein Fünftel wird in Europa abgesetzt, 35 % entfallen auf Amerika.
Die Aktie dieses sehr solide aufgestellten Unternehmens stellten wir Ihnen in 'finanztip' 25/20 vor allem wegen der sehr beständig fließenden Dividenden vor und rieten bei einem Kurs von 45 EUR zum Positionsaufbau. Inzwischen liegt der Kurs der Aktie wieder etwa 3 % höher. Zusätzlich wurden Anleger in den vergangenen drei Jahren mit insgesamt 13 Ausschüttungen bedacht. Die aktuelle Dividendenrendite liegt bei etwa 3,7 % mit der Aussicht auf weitere Anhebungen. Regelmäßige Ausschüttungen werden mit diesem Qualitätspapier ununterbrochen bereits seit 1937 getätigt. Aufgrund der guten Marktstellung und einer sehr soliden Bonität können Anleger an dieser Aktie festhalten
++ Nicht gerade überzeugend lief es u. E. nach bei der norwegischen Telenor-Gruppe (ISIN: NO0010063308). Im zweiten Quartal kletterte der Umsatz nur noch um magere 4 %, organisch sogar nur um 3 % auf 15,841 Mrd. NOK. In deutlich günstigerem Licht zeigte sich dagegen der Reingewinn von 821 Mio. NOK. Im Vorjahreszeitraum wurden noch rote Zahlen ausgewiesen. So ganz überzeugen konnte das Halbjahresresultat aber trotzdem nicht, was sich in der Entwicklung des Aktienkurses niederschlug. Zum Einstieg rieten wir bei einem Kurs von 8,20 EUR, nun liegt er bei 9,45 EUR. Zusammen mit der im Mai erfolgten Ausschüttung von 5 NOK je Aktie beträgt der Anlageerfolg nach acht Monaten etwa 20 %. Steigen Sie bei den Norwegern komplett aus und halten Sie den Ertrag als Cash!
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