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Neuer Markt: Vermasselt die Deutsche Börse AG mit einem Entry Standard 2.0 schon wieder Chancen für KMU-Emittenten und -Investoren?


Die Deutsche Börse AG in Frankfurt hat das Börsensegment Entry Standard geschlossen. Ab 01.03. ist als Ersatz das neue Marktsegment Scale in Betrieb. Nach den Pleitewellen auf dem Markt der Mittelstandsanleihen – die Stichworte German Pellets und KTG Agrar markieren die größten Pleiteskandale – wurde der Ruf nach strengeren Börsenregeln lauter. Scale als Börsensegment richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Zu Handelsbeginn notieren 46 Aktien und Unternehmensanleihen in Scale, weitere Emittenten hätten die Aufnahme bereits beantragt, informiert die Börse. Hier listet die Deutsche Börse in einem PDF-Dokument alle bislang in Scale notierten Aktien und Anleihen sowie die Deutsche Börse Capital Market Partner auf. Um in Scale aufgenommen zu werden, müssten die Emittenten unter anderem Mindestgrößen hinsichtlich definierter Unternehmenskennzahlen erfüllen sowie die Zusammenarbeit mit einem der aktuell 34 Capital Market Partner vorweisen. Diese Capital Market Partner sollen die Eignung der Emittenten für das Segment prüfen und die Unternehmen auch nach dem Börsengang betreuen. Zu den neuen Pflichten für die Unternehmen gehören die von der Deutschen Börse beauftragten und bezahlten Research-Reports. Teams von Edison Investment Research und Morningstar erstellen diese Reports im Auftrag der Börse.

Klar ist, dass die Börsenmanager durch mehr KMU-Emissionen mehr Gebühren-Gelder verdienen möchten. Zurzeit wagen sich zu wenig KMU an die Börse. Spektakuläre Pleiten sollen möglichst vermieden werden. Unserer Meinung nach geht die Börse mit Scale in die richtige Richtung. Die Pflicht zu Researches durch Analysten, die die Börse bezahlt, spricht für eine gewisse Unabhängigkeit der Analysten gegenüber den Emittenten und damit hoffentlich für mehr Transparenz, so dass sich Anleger bessere Urteile bilden können und keine Katze im Sack kaufen müssen. Aber am Ende des Tages werden nur eine Vielzahl von erfolgreichen Börsengängen Anleger anlocken, die zurzeit durch die zu vielen Mittelstandsanleihen-Pleiten sehr misstrauisch sind und KMU-Anleihen und -Aktien fernbleiben.

Die Börsenmanager haben zurzeit die Unternehmensanleihen von Deutsche Rohstoff, FC Gelsenkirchen-Schalke 04, Ferratum Capital Germany, Hörmann Finance, Joh. Friedrich Behrens, Karlsberg Brauerei und UBM Development in das neue Börsensegment aufgenommen. Diese Emittenten stehen aus unserer Sicht für überwiegend gute Bondstorys. Scale braucht aber viel mehr nachhaltige Erfolge, sonst sehen wir einen Entry Standard 2.0, was Anlegern und KMU-Emittenten lukrative Chancen vermasseln würde.

Foto: Bankenverband/flickr

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