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Schwarzes Gold statt Olivenöl – Tankstellen-Zinsen aus Hellas

Zu den am schlechtesten abschneidenden Anlagen der zurückliegenden zehn Jahre zählen Aktien aus Griechenland und Titel der Kreditbranche. Etwa 80 % beträgt der Kursverlust des Athener Aktienmarkts in diesem Zeitraum, obwohl Griechenland (oder genauer gesagt die Banken und Versicherungen, die dort engagiert sind) seither mit Finanzspritzen im Umfang von 274 Mrd. € 'notversorgt' wurden. Die Kursverluste waren jedoch vermeidbar. Bereits im 'finanztip' 05/08 rieten wir zum Komplettausstieg aus Hellas. Allerdings sind in diesem schwachen Marktumfeld nicht alle Werte an Athens Börse derart stark abgetaucht. Mit den Papieren der Motor Oil Hellas, unserer Aktie der Woche (ISIN: GRS426003000) war ein Depot sogar auf Gewinnkurs, und der Wert verteuerte sich um etwa 35 %. Sofern die üppigen Dividenden reinvestiert wurden, ergibt sich ein Wertzuwachs von deutlich über 100 %.

Die Kursentwicklung des Energieunternehmens ist erneut ein Beweis, dass sich Aktien familiendominierter Unternehmen meist besser entwickeln als Konzerne, die von angeheuerten Managern geleitet werden. Der Raffinerie- und Tankstellenbetreiber befindet sich zu 49,1 % in Familienbesitz, ist profitabel und steht auf einem stabilen finanziellen Fundament. Motor Oil Hellas betreibt in Griechenland Raffinerien und verfügt über etwa 2.000 Tankstellen. Energie wird auch in schwierigen Zeiten immer gebraucht. Im Jahr 2017 erzielte der Konzern bei einem Umsatz von 7,843 Mrd. € (+23,39 %) einen Gewinn nach Steuern von 313,5 Mio. € (–5,2 %) oder 2,85 € je Aktie. Analysten gehen davon aus, dass der Gewinn je Aktie im laufenden und im kommenden Jahr auf etwa 2,20 € zurückgehen wird, die Dividende aber auf einem hohen Level von 1,20 € je Papier gehalten werden könnte. Die Aktien wären so mit dem rund neunfachen Jahresgewinn nicht nur außerordentlich preiswert, sondern auch wegen der hohen Ausschüttung interessant.

Bei einer geschätzten Ausschüttung von 1,20 € je Aktie speist das Unternehmen ein Depot mit einer Dividendenrendite von 6,2 % p. a. Hinzu kommen mögliche Kursgewinne, die es bereits in der Vergangenheit gegeben hat. Für griechische Verhältnisse ist die Bilanz des Unternehmens relativ solide. Die Nettoverschuldung wurde in den vergangenen Jahren deutlich abgebaut. Der Cashbestand beträgt etwa 700 Mio. €. Einen Großteil der Vermögenswerte hat die Gesellschaft dabei auf Auslandskonten geparkt. Das Vertrauen in die eigenen griechischen Banken scheint nicht sonderlich ausgeprägt zu sein. Die Analysten der Credit Suisse halten das Papier aufgrund der soliden Finanzstruktur in einer Ende Juli veröffentlichten Studie für unterbewertet und sehen ein Kurspotenzial bis auf 26 €. Aktueller Kurs: 19,34 €. Wer bei den Tankstellenaktien zugreift, sollte allerdings mit höheren Kursausschlägen leben können.

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