Die aktuelle Berichterstattung im 'Versicherungstip' und die Ergebnisse der Maklerpoolumfrage in 'k-mi' (vgl. 'k-mi'-sp 5/2024 sowie 'k-mi' 18/2024) offenbaren eine besorgniserregende Situation für die Qualitypool GmbH, ein Tochterunternehmen des Hypoport-Konzerns. Trotz der Einführung des neuen Vermittlerportals 'Smart Cockpit', das in der Branche mit gemischten Reaktionen aufgenommen wurde, bleiben fundamentale Fragen hinsichtlich der Kooperationsverträge und der damit verbundenen Geschäftsbedingungen offen und unbeantwortet, wie 'vt' berichtet:
In einem 'Offenen Brief' an die Geschäftsführerin Andrea Föllmer und Geschäftsführer Antonio Skoro hatte die Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler e.V. (IGVM) am 27.06 sechs kritische Regelungen identifiziert, die so nicht hinnehmbar seien, und die ”klare Empfehlung“ ausgesprochen, dass Versicherungsmakler dem Kooperationsvertrag in der vorliegenden Form ”NICHT zustimmen!” sollten. Besonderes Augenmerk legt die IGVM auf die offenbar unbewegliche Haltung von Qualitypool, die es versäumt hat, einen konstruktiven Dialog zu initiieren. Auf 'vt'-Anfrage an Bastian Zink, 2. Stv. Vorsitzender IGVM, weist der Berufsverband auf Äußerungen von Qualitypool gegenüber anderen Medien hin. Während dort betont werde, dass ”ein Dialog stattfinde, liegt uns als Berufsverband bis heute kein Gesprächsangebot und keine direkte inhaltliche Reaktion auf unseren offenen Brief vor – obwohl wir diesen vor der Veröffentlichung übermittelt haben“, betont die IGVM und kritisiert: ”Öffentlichkeitswirksam Distanz zur Kritik zu zeigen, aber den direkten Dialog mit einem Vertreter von über 300 unabhängigen Maklern zu vermeiden, wirkt auf uns wenig konstruktiv und nicht partnerschaftlich.“
Die IGVM dokumentiert für einige Produkte eine Vergütungsreduktion von bis zu 20 %: ”Unsere eigene Stichprobe zeigt etwas anderes – nämlich, dass sich viele Courtagen reduziert haben.“ Dazu liefert der Berufsverband auch mehrere aktuelle Berechnungen, die einige satte Kürzungen zu Tage fördern: Bei der Janitos Unfall, der DMB Rechtsschutz und der VHV PHV lagen die Courtagen bisher bei 25 % und sinken um 2,5 Prozentpunkte auf 22,5 %, womit alle drei Produkte um 10 % schlechter vergütet werden als zuvor. Noch extremer das Beispiel der Kfz-Police von Janitos: Hier sinkt die Vergütung von 8 % um 1,6 Prozentpunkte auf 6,4 %. ”Das bedeutet: 20 % weniger Vergütung für den Makler – für die gleiche Arbeit, den gleichen Kunden und das gleiche Haftungsrisiko“, erläutert die IGVM die maßgebliche Verschlechterung und ergänzt: ”Wir haben das Thema bewusst nicht in den Vordergrund gestellt, weil es uns inhaltlich um strukturelle Risiken für Makler geht. Aber wenn man sich öffentlich für „Verbesserungen“ lobt, muss auch ehrlich differenziert werden“, so der Berufsverband.
Solche Kürzungen verdeutlichen nicht nur die ungleiche Behandlung von Maklern, sondern schaffen auch strukturelle Risiken. Qualitypool bleibt hier in der Defensive, da sie diese Bedenken bislang weder ernsthaft adressiert hat noch bereit ist, sich mit der IGVM auf einen Dialog einzulassen. Gerade in einem Markt, der von stetigen Veränderungen und Herausforderungen geprägt ist, ist es unerlässlich, dass jeder Akteur die Bedenken und Bedürfnisse der Partner ernst nimmt. Die IGVM hat diese Kritikpunkte besonders hinsichtlich der Courtage-Struktur untermauert. Trotz der Behauptung von Qualitypool, es habe positive Resonanzen und teilweise verbesserte Courtagesätze gegeben, zeigen eigene Recherchen der IGVM ein gegenteiliges Bild.
Die offengelegte signifikante Kürzung der Courtage wirft nicht nur Fragen zur Fairness auf, sondern deutet auch darauf hin, dass hinter den geforderten Änderungen möglicherweise strategische Überlegungen stehen, die zulasten der Partner gehen. Die IGVM betont, dass die strukturellen Risiken, die aus dem neuen Kooperationsvertrag resultieren, unbedingt beachtet werden müssen. Bereits in unserer Maklerpoolumfrage 2024 (vgl. 'k-mi' 18/24), durchgeführt unter 'k-mi'- und 'vt'-Lesern, zeigte sich eine bedenkliche Entwicklung bei Qualitypool. Mit der Gesamtnote 3,6 belegte die Poolgesellschaft den letzten Platz und erhielt als einzige Poolgesellschaft abgeschlagen die Bewertung ”Schwach”: Die Klagen unter den Abstimmenden über mangelhaften technischen Support oder den Verlust von Identität bei den Dienstleistungen zeugen von einer tiefen Enttäuschung der Makler. Im September 2024 schien die Qualitypool-Mutter die Reißleine zu ziehen mit der Abberufung von Jörg Haffner aus der Geschäftsleitung. Doch was ist seit dem unter dessen Nachfolger Antonio Skoro besser geworden? Angesichts dieser Herausforderungen sollte eigentlich die Mitnahme der Makler in wichtige Entscheidungen essenziell sein, um Vertrauen zurückzugewinnen.
'k-mi'-Fazit: Qualitypool hat seit längerem ein handfestes Problem im Markt, das die Lübecker offensichtlich gegenüber den Maklern nicht in den Griff bekommt. Der Maklerpool steht vor einem klaren Dilemma: Der neue Kooperationsvertrag offenbart strukturelle Risiken, die für viele Versicherungsmakler einfach nicht tragbar sind. Die unbewegliche Haltung der Geschäftsführung, die kritischen Stimmen der IGVM zu ignorieren, zeugt von einem gefährlichen Desinteresse an den Bedenken der Partner. Ob die positiven Resonanzen in der Praxis tatsächlich zutreffen oder eine Illusion sind, wissen wir nicht. Die Tatsache jedoch, dass Qualitypool die Möglichkeit eines Dialogs mit der IGVM bisher nicht wahrgenommen hat, lässt starken Zweifel an der Partnerschaftlichkeit und dem Kundennutzen aufkommen. Die Zeit für Änderungen verläuft, und die Frage bleibt: Ist Qualitypool bereit, auf die Bedürfnisse seiner Partner einzugehen oder wird es weiterhin nur um strategische Eigeninteressen gehen?