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Aruna: Zusammenarbeit mit SALIA steht nicht zur Disposition

Wer den Knopf zur IT-Technik in der Vertriebswelt in der Hand hält, bestimmt auch zunehmend den Takt des Geschehens. Anschaulich zu spüren bekommt dies aktuell der Maklerpool Aruna GmbH. Dessen wichtiger Systemdienstleister SQL Projekt AG, der Aruna-Poolpartnern mit SALIA® ein Maklerverwaltungsprogramm bereitgestellt hat, hat überraschend eine Teilbetriebsausgliederung dieser Sparte vorgenommen. Mit dem Ergebnis, dass zusammen mit dem Deutschen Maklerverbund (DEMV) die neue Gesellschaft SALIA Software GmbH & Co. KG gegründet wurde. Wobei Karsten Allesch, Geschäfts­führender Gesellschafter der DEMV, nun auch GF der SALIA Software ist. Doch hinter dem DEMV steht seit wenigen Wochen der Private-Equity-Investor Hg (vgl. 'k-mi' 40/22), der auch den Maklerpool Fonds Finanz mehrheitlich übernommen hat (vgl. 'k-mi' 50/21) und sich offensichtlich auch im Bereich Vertriebskanäle samt IT-Anbieter ein Imperium aufbaut. Jedenfalls ist die Kasse des britischen Finanzhais mit 1 Mrd. € an neuen Mitteln bestens gefüllt worden für neue Investitionen im europäischen Raum, wie 'VentureCapital' jüngst berichtete. Die Investments sollen unter dem Dach von Hg auf hohe Rendite gebracht werden. Das geht am einfachsten, wenn innerhalb des erworbenen Firmen-Potpourri Synergien schnell gehoben werden können. Dies mit unangenehmen Konsequenzen, wie SALIA nutzende Aruna-Partner auf dem online durchgeführten SALIA®-Anwendertag 2022 erleben mussten, die sich unverhofft in einer Werbeveranstaltung der SALIA Software GmbH wiederfanden (vgl. 'k-mi' 41/22). Aruna war, wie wir bereits berichteten, darüber weder eingeweiht noch amused. Doch zieht der Maklerpool Konsequenzen? Aruna-Unternehmensnachfolger Christopher Kluwe erklärte gegenüber 'k-mi', dass ihre Schnittstellen allen Marktteilnehmern offenstünden und man nicht beeinflussen könne, welches Unternehmen diese implementiere. Warum ein noch selbstständiger Pool wie Aruna keinerlei Einfluss darauf nehmen kann, wer sich bei ihm digital andockt, erschließt sich uns nicht. Schließlich wird Aruna ohne vertragliche Grundlage wohl kaum jemanden einfach so in sein Haus hineinlassen.

Da wohl die meisten SALIA nutzenden Aruna-Partner dort ihre Unternehmensdaten bislang gut aufgehoben in unabhängiger Hand abgespeichert sahen, mag es verständlich sein, dass Aruna das Thema zumindest öffentlich flach halten möchte. Die Brisanz der Vorgänge ist allerdings offenkundig, denn der DEMV plant, das hauseigene Maklerverwaltungsprogramm Professional works "zur führenden unabhängigen Technologieplattform" im Markt hochzuziehen. Die wechselseitige Unterstützung durch Fonds Finanz liegt auf der Hand. Falls nun Aruna weiter auf SALIA setzt, treibt dann der Pool seine Partner immer weiter in die Arme des Hg Capital-Konzerns? Kluwe erwidert: "Wir haben unsere Maklerinnen und Makler bisher nicht in die Arme der SQL AG getrieben, genauso wenig treiben wir sie jetzt in die Arme von Hg Capital. Es ist die unternehmerische Entscheidung eines jeden Maklers, ob dieser weiterhin SALIA nutzen möchte oder nicht. Unsere Maklerschaft ist nach wie vor in der Wahl des MVP frei." Deshalb sieht sich Aruna auch nicht zu irgendwelchen Handlungen veranlasst:

"Wir sehen uns selbst als die 'Unaufgeregten' im Markt – für Konsequenzen ist es noch zu früh, dazu ist derzeit zu viel in Bewegung", erklärt der Aruna-Unternehmensnachfolger, der nichts von einer möglichen Beendigung der Zusammenarbeit mit SALIA wissen will: "Der Vorteil der Nutzung von SALIA ist ja, dass die Daten der Kundschaft unserer Makler nicht zentral in einem Cloudsystem liegen, sondern auf Systemen, die im Verfügungsbereich des jeweiligen Maklers liegen. Die Übertragung von Daten bedarf neben technischer Vorarbeit unseres Erachtens auch der Zustimmung des Verantwortlichen gemäß DSGVO. Insofern sehen wir derzeit keine Veranlassung für Aktionismus“, so Kluwe. Unweigerlich stehen damit die Aruna-Partner, da sie beim weiteren Einsatz von SALIA keine unabhängige Perspektive von Hg vorfinden, vor der Frage, welche Gewähr sie haben, dass sie nicht demnächst durch die fortschreitende Zusammenführung von SALIA mit dem DEMV automatisch in der Hg-Welt aufwachen? "Ich teile die Grundannahme der Frage nicht – nur weil wir die Zusammenarbeit nicht schnellstmöglich beenden, sagt das noch nichts über das Vorhandensein einer unabhängigen Perspektive aus. Unabhängig von der Fragestellung: Schon jetzt hat ein Großteil der §34d-Makler bei mehr als einem Pool/Verbund eine Anbindung. Dass in Zukunft mindestens eine solche Anbindung bei einem Partner besteht, der mehrheitlich einem Hedgefonds/Investor gehört, ist daher schon rein statistisch sehr wahrscheinlich. Zählt man noch die unter die Beteiligungen fallenden sonstigen Dienstleister und Softwarehäuser hinzu, wird es sehr schwer, sich diesem Wirkungsbereich zu entziehen. Unser Beitrag zur Unabhängigkeit ist und bleibt, dass wir keinem unserer Partner etwas aufzwingen", gibt Kluwe zu verstehen. Offensichtlich wird hier, dass Aruna unter den neuen Marktgegebenheiten ohne eigenes MVP recht blank dasteht und sich mit den tech­nischen Marktplayern arrangieren muss, was uns an die Redewendung 'Friss oder stirb' erinnert. Wird unter diesen Umständen Aruna als selbstständiges Unternehmen überlebensfähig bleiben oder wird sich der Pool einer größeren Organisationseinheit, bspw. der Hg, im Zuge einer ins Rollen gekommenen Marktkonsolidierung anschließen müssen? Kluwe wiegelt ab: "Schon jetzt arbeiten wir mit Maklern zusammen, die nicht SALIA als MVP nutzen – also: Ja, wir sind auch ohne eigenes MVP langfristig als selbständiges Unternehmen überlebensfähig. Der Verkauf des Unternehmens bzw. der Anschluss an eine größere Organisationseinheit steht nicht zur Diskussion."

'k-mi'-Fazit: Die Verärgerung und Verunsicherung der Aruna-Partner als SALIA-Anwender ist verständlich. Deren Unternehmensdaten befinden sich auf dem Server einer Gesellschaft, die nun zum Hg-Konzern gehört. Was dort strategisch alles geplant ist und welche Vertriebskanäle möglicherweise Vorfahrt genießen, kann ein Makler aus der Ferne nicht beurteilen. Dies alles trägt jedoch auch nicht zu dessen Entspannung bei, solange seine wichtigsten Assets in Form von Unternehmens-, Vertrags- und Kundendaten durch fremde Konzernhände wandern können. Sollte es wegen des MVP zu Abwanderungsbewegungen kommen, würde es uns nicht überraschen.

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