Auf 'k-mi'-Nachfrage, ob der aus unserer Sicht wegen strategischer Fehler längst nicht mehr tragbare Bonnfinanz-Vorstandsmitgliedes Dirk Benz ausgeschieden sei (vgl. u.a. 'k-mi' 16/21), antwortete uns der Strukturvertrieb am 11.05.2021 noch: "Nein, das trifft nicht zu" (vgl. 'k-mi' 19/21). Soweit wohl noch korrekt, doch 'k-mi' wusste zu jenem Zeitpunkt bereits mehr, als der Bonnfinanz-Vorstand offiziell dazu zu sagen vermochte.
Am 20.05.2021 folgte dann folgende Verlautbarung des jüngst implementierten Bofi-Bosses Eugen Bucher an die Mitarbeiter: "Dirk Benz hat am 19.05.2021 im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat sein Amt als Mitglied des Vorstands der Bonnfinanz AG niedergelegt (…)". Im "gegenseitigen Einvernehmen", wie es in solchen Momenten gerne heißt, scheidet Benz nun also doch zum 31. Mai aus. Als Gründe werden "unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige strategische Ausrichtung des Unternehmens" genannt, was dann schon tiefer blicken und ein alles andere als harmonisches Ende seiner Tätigkeit erkennen lässt. Was von Benz in Erinnerung bleiben wird, sind der Aufbau eines Campus, umfassende Positionierungsprozesse und Marken-Relaunch: In Summe alles sündhaft teure Maßnahmen, die ergebniswirksam bislang kaum positiv ins Gewicht fallen dürften!
Im Gegenteil, was im IT-Bereich mit einer neuen CRM veranstaltet wurde, spottet jeder Beschreibung und hat das Fass bei der Bofi und vor allem deren Beratern, die seit über einem halben Jahr auf korrekte Provisionsabrechnungen warten, zum Überlaufen gebracht. Was Bucher, vormals u. a. bei MLP und FORMAXX aktiv, als bestellter Retter in der Not noch kurz vor seinem geplanten Rentenantritt mal schnell einen 2-Jahres-Vorstandsvorsitz-Vertrag bis 30.04.2023 eingebracht hat, wie uns Bofi-Insider berichten. Die große Frage, die man sich nicht nur in Bonn beim Strukturvertrieb stellt, ist, was will der seit 2019 neue französische Privat-Equity-Eigentümer BlackFin Capital Partners eigentlich mit dem Finanzvertriebsladen in Bonn anfangen und warum setzt man jetzt auf eine Kurzfrist-Vorstandslösung, statt längerfristig eine Strategie zu entwerfen, die auch für die Berater zukunftsfähig erscheint?
Bucher kündigt zwar einen "Dreiklang des Erfolges" an mit "Steigerung des Umsatzes", "Steigerung des Ertrages" und "Gewinnung von neuen Vertriebspartner*innen". Zumindest das Gendern funktioniert im Bofi-Mangement, hören wir 'lobend' hinter vorgehaltener Hand aus den eigenen Reihen heraus. Denn die Laune wird immer schlechter: Im April wurden für die zweite Maihälfte die "Korrekturabrechnung für die Monate 10-12/2020 also auch für die Monate 01-04/01 mit allen Buchungen zur AP, zur BP und auch die Storni" sowie für Juni "die vollständigen Abrechnungen aus April und Mai" angekündigt. Gegenüber 'k-mi' teilt Bucher hierzu mit: "In den letzten Wochen wurden im Bereich IT wesentliche Fortschritte erzielt. Mit den Provisionsabrechnungen Ende des Monats Mai geht die Bonnfinanz wieder in den Regelmodus über.“
Es wäre der Gesellschaft zu wünschen, wohl den meisten Beratern und uns fehlt der Glaube daran, denn: ++ Die Mai-Abrechnungen sind in 'k-mi' zugetragenen Fällen "alle falsch", heißt es uns gegenüber frustriert ++ Ein uraltes Problem bei der Bofi: Ausscheidenden Beratern erstellt die Bonnfinanz immer noch keinen korrekten Buchauszug zur Berechnung ihres HGB-Ausgleichsanspruchs ++ Die neue CRM ist nicht treffsicher in der Lage, fehlerfrei in Kundenanschreiben den aktuellen Beraterstatus zuzuordnen ++ Datenschutzrechtlich agiert die Bonnfinanz damit in tiefster Grauzone, wenn Kundendaten ihren betreuenden Beratern mal eben entzogen werden und dafür fremden Vermittlern zufallen. Hierzu von uns befragt, erhielten wir keine Stellungnahme aus Bonn. Auch nicht dazu, weshalb man Fundsacess in den vergangenen rund zwei Jahren für sicherlich nicht wenig Geld implementierte und inzwischen zur Zufriedenheit der Berater ins Laufen brachte, jetzt jedoch mal eben wieder aufgeben will. "Fundsacess ist das einzige Tool, das reibungslos funktioniert", hören wir aus Bofi-Kreisen.
Doch zukünftig will der Strukturvertrieb den Investmentbestand über Netfonds abwickeln. Wieso, weshalb? Die Bonnfinanz blieb uns gegenüber eine Erklärung schuldig. Dafür soll es in den Bonner Wänden mit dem Aufschlag unserer Fragen höchst ungemütlich geworden sein. Bucher, ein uns eigentlich als besonnener Manager noch in Erinnerung, soll gezürnt haben, wie und über welche Wege diese vertraulichen Infos uns erreichen konnten, was schließlich in einem Schweigeschwur unter den Top-Managern mündete – was bekanntlich so viel wert ist, wie untereinander Vertrauen herrscht. Jedenfalls standen bereits zahlreiche Bofi-Vorgänger-Vorstandsgenerationen vor ähnlichen Problemen, denn bekanntlich ist 'k-mi' aller bestens vernetzt in der Branche bis in hohe Vorstandsetagen hinein. Ex-Bofi-Vorstandschef Reinhard Schutte soll beispielsweise der Verzweiflung recht nahe gewesen sein, weshalb immer wieder streng geheime Vorstands-Internas bei 'k-mi' zu lesen waren.
Die neueste Dünnhäutigkeit untermauert, dass der Erfolgsdruck gewaltig sein muss. Schließlich hat der französische Eigentümer BlackFin nach unseren Informationen rund 40 Mio. € für den Bofi-Kauf der Zurich auf den Tisch gelegt, was für die Verkaufskünste des Versicherers spricht. Tristesse dagegen in Paris beim Käufer, der Investments in der Regel zwischen fünf und sieben Jahren hält, um dann selbst Kasse zu machen. Bei der Bofi ist man davon meilenweit entfernt. Geangelt hat man sich einen Laden mit unaufhaltsamen Schwund: 1994 lag die Zahl der Vertriebsmitarbeiter bei ca. 2.500, 2006 bei rund 1.100, heute sind es noch kümmerliche 431. Insider schätzen, dass davon ca. die Hälfte, also rund 200 noch ambitioniert aktiv sind. Bei der Altersstruktur wenig verwunderlich, das Durchschnittsalter liegt offiziell laut Bofi bei 52 Jahren. Wir kommen überschlägig auf 1/3 an Beratern unter 50 Jahre und 1/3 jenseits der 60 Jahre. Die Neugewinnungsabsichten von Mitarbeitern halten langjährige Bofi-Vertriebshasen unter den gegebenen (IT-)Zuständen für nicht zielführend.
Offenes Interesse bekundet BlackFin am Erwerb der Fondsplattform IKS von der Fondsgesellschaft DWS. Im Gespräch sind 300 Mio. € für eine Mehrheitsbeteiligung. IKS verwaltet ein Vermögen von 115 Mrd. €. Vielleicht steckt darin auch eine Verwertungsidee für die Bofi, indem man zukünftig auf die Bestandsverwaltung setzt und die Vertriebsschiene kappt. Schließlich ist es den Franzosen bislang nicht gelungen, über Vertriebszukäufe auf eine überlebensfähigere Größe zu kommen. Die FG Finanz- sowie die Telis-Eigentümer sollen freundlich bei den Kauf-Avancen der BlackFin-Manager abgewunken haben.
'k-mi'-Fazit: Eugen Bucher und besonders der deutsche BlackFin-Partner Dr. Kai Franzmeyer müssen nun schnell liefern, um den Namen BlackFin im deutschen Finanzmarkt nicht langfristig zu beschädigen. Doch die Strategie scheint auf Kurzfristigkeit ausgelegt zu sein, was keine gute Voraussetzung ist, um den deutschen Finanzvertriebsmarkt zu verstehen und anschließend zu größeren Sprüngen anzusetzen.