2019 sammelte der Wachstumsinvestor BlackFin Capital Partners mit dem FPCI BlackFin Financial Services Fund III insgesamt 985 Mio. € ein, um im europäischen Finanzdienstleistungssektor auf Übernahmetour zu gehen. Ins Portfolio wanderte sodann – zur Überraschung vieler Branchenkenner – der älteste deutsche Strukturfinanzvertrieb, die Bonnfinanz AG (inzwischen firmierend als GmbH). Blicken wir kurz zurück, weshalb hat das BlackFin-Team um Dr. Kai Wilhelm Franzmeyer, Managing Director BlackFin Capital Partners für Deutschland, Österreich und die Schweiz, ausgerechnet ein Auge auf die Bonner Strukkis geworfen? Dr. Franzmeyer sah 2019 bei der Bonnfinanz klare Vorstellungen für eine Wachstumsstrategie und Aufbruchstimmung: “Das hervorragende Betriebsergebnis und die sehr gut aufgestellte Mannschaft sind eine gute Grundlage, um jetzt umfassend in Wachstum zu investieren.” Als Finanzprofi sollte Dr. Franzmeyer wissen, bevor ein Unternehmen zum Kauf angeboten wird, dass jeder Verkäufer zunächst versuchen dürfte, die Bilanzzahlen im richtigen Moment aufzubessern, um so den Kaufpreis zu erhöhen. Das wird für die Zurich, die nie richtig warm mit der Bonnfinanz wurde, als damalige Eigentümerin auch gängiges Einmaleins gewesen sein. Und beim Blick in die veröffentlichten Bilanzen fällt auf, dass die Bonnfinanz ausgerechnet in ihrem Geschäftsjahr 2018 ein rekordverdächtiges Betriebsergebnis von 6,4 Mio. € erzielte, das es viele Jahre zuvor nie gab – trotz stagnierender Umsatzerlöse. Wobei die Entwicklung bei den Umsatzerlösen mehr als eine Erwähnung bedarf:
Im 10-Jahresververgleich gegenüber dem Jahr 2011 legten bei der Bonnfinanz die Umsatzerlöse einen Rückwärtsgang von -22,5 % hin. Wie dramatisch die Bonner im Markt aus der Spitzengruppe der Finanzvertriebe durchgereicht wurden, zeigt noch deutlicher der 15-Jahresvergleich zu 2006 mit -40,8% Umsatzschwund! 2006 verbuchte die Bonnfinanz noch 97,9 Mio. € Umsatzerlöse. Einst in den Markt gebracht wurde sie durch Dr. Reinfried Pohl, der später dort ausstieg und die DVAG gründete. Zum Vergleich einmal deren Umsatzerlöse mit Augenmerk auf die prozentuale Entwicklung: ++ 862,6 Mio. € (2006) ++ 921,2 Mio. € (2011) und ++ 1.980,8 Mio. € (2020), womit die DVAG in den letzten zehn Jahren um rund 115 % und 15 Jahren um ca. 130 % zulegte! Im Markt ging die Post ab, nur die im Sturzflug befindliche Bonnfinanz scheint davon nichts mitbekommen zu haben. Man muss schon gewiefter Käufer auf Seiten von BlackFin sein, um in diesem Laden eine Wachstumsstory erkannt zu haben, will man am Ende nicht als Dilettant dastehen. Beim Umsatz ging es seit 2018 allerdings weiter abwärts und das so sehr gelobte Betriebsergebnis ist seit dem Einstieg von BlackFin geradezu auf 1,2 Mio. € (2019) bzw. 0,9 Mio. € (2020) abgestürzt. Was sind die Gründe?
Mit Eugen Bucher hat man zügig einen zwar langjährig im Finanzvertrieb tätigen Akteur nach Bonn gelotst und dort zum Chef gekürt, der aber uns nie durch nennenswerte Duftmarken bis dahin aufgefallen wäre. Statt dessen trat Bucher in Bonn ein bemerkenswertes Personalkarussell los: ++ Nach über 30 Jahren bei der Bonnfinanz ist der im Mitarbeiterkreis fachlich wie menschlich hochgeschätzte Michael Kopp, Leiter des Produktmanagements, mit Anfang 60 in den Vorruhestand versetzt worden. Wie 'k-mi' hört, wohl alles andere als freiwillig, was in einer unehrenhaften und halbminütigen Verabschiedung geendet haben soll ++ Klaus Langholz, der sehr erfolgreich die ertragsreiche Baufinanzierungsabteilung geführt hat, soll selbst aufgrund strategischer Unstimmigkeiten das Unternehmen wieder verlassen haben. Pikant daran, Langholz sei, wie wir aus Bofi-Kreisen vernehmen, einst auf Wunsch der BlackFin von der Deutschen Bank-Gruppe geholt worden ++ Bereits im Vorjahr verließen Vorstandsmitglied Dirk Benz, der die Bonnfinanz modernisieren sollte, und Max Winterhoff (Abteilungsleiter Marketing und Kommunikation) nach Kurzzeit-Tätigkeiten, offenbar mehr oder weniger entnervt, die Bonnfinanz wieder.
++ Zum 31.12.2022 wird das Vertragsverhältnis mit der Invest Consult GmbH/Saarlouis beendet, die exklusiv seit rund 15 Jahren ein Investment-Center zur Unterstützung und Zufriedenheit der Bonnfinanz-Berater bereithielt, mit ständiger Erreichbarkeit und mundgerechter Antragsstellung bis hin zum Depoteröffnungshandling. Was kommt nun auf die Bofi-Berater zu? “Die Bonnfinanz setzt ihre Strategie fort, Dienstleistungen inhouse abzubilden. Dies ermöglicht, Qualität und Effizienz in Prozessen noch besser zu steuern. Aus diesem Grund wird es ab 1. Januar 2023 ein internes Bonnfinanz Investmentcenter geben. Mit dieser strategischen Entscheidung verstärken wir die Kompetenz unseres Produktmanagements und optimieren die exzellente Unterstützung unseres Vertriebs“, meint dazu Roxana Naumann, Senior Manager PR & Kommunikation der Bonnfinanz, auf 'k-mi'-Nachfrage.
Was ist bei der Bonnfinanz aus der früheren Unternehmensführung geworden, die sich einmal als stolze Familie definierte? Bucher gilt als aufbrausend gegenüber den Mitarbeitern und damit gefürchtet. Sein 'Erfolgsrezept' soll die alte Tschaka-Methode sein, also all das, was die Bonnfinanz als Anlaufstelle von Alt-Bankberatern seit der Regentschaft unter Reinhard Schutte nicht mehr sein wollte. Allerdings scheinen die 'Peitsche-raus-Zuckerbrot-rein'-Zeiten nicht mehr sonderlich zu verfangen, zumindest lassen die durchschlagenden Unternehmenserfolge im Zuge von Rekrutierungs-Appellen weiter auf sich warten. Vor seinem Einstieg bei BlackFin war der studierte Betriebswirt und promovierte Jurist Dr. Franzmeyer zuletzt Mitglied der Geschäftsleitung der Senacor Technologies AG, einem Anbieter für Business- und IT-Transformation. Ob das heillose IT- und Provisionsabrechnungs-Tohuwabohu der zurückliegenden Jahre bei den Bonnern mit den Aufbauversuchen einer eigenen IT-Technik mit CRM eine oder gar mehrere Nummern zu groß für deren Entscheidungsträger war, darüber sollte bei den BlackFin-Kontrolleuren einmal intensiver nachgedacht werden: "Wie Sie wissen, befindet sich die Bonnfinanz seit 2019 in einem Transformationsprozess der die Bereiche IT, Beratungssystematik, Produktportfolio und Provisionssystem umfasst. Wir haben mit dieser strategischen Neuausrichtung die Wachstumsfähigkeit wieder hergestellt und die Bonnfinanz neu positioniert”, lässt uns Naumann aus dem Haus Bonnfinanz wissen.
'k-mi'-Fazit: BlackFin plant üblicherweise nach fünf bis sieben Jahren seine Beteiligungen hoch verzinst wieder abzustoßen. Ob der laufende 'Transformationsprozess' bei der Bonnfinanz jemals auch zu einem lukrativen Verkaufsdeal führt, darf sehr bezweifelt werden. Die Geschäftszahlen und die derzeitige Stimmungslage innerhalb der von wichtigen Vertriebseinheiten dezimierten Beratertruppe lassen eher auf ein Fiasko für BlackFin und Dr. Franzmeyer schließen.