Zwei 'k-mi'-Leser, die seit über 32 Jahren mit ihrem Finanzdienstleistungsunternehmen im Markt tätig sind, wenden sich aktuell wie folgt an uns: "Wir sind gerade über das Vorgehen der Fondsgesellschaft Danske Invest entsetzt und betroffen. Es sind im Internet keine weiteren Informationen zu finden, deshalb wenden wir uns heute an Sie, mit der Hoffnung, dass Sie hier helfen, Licht ins Dunkel bringen können.“ Konkret geht es hier um das Schicksal des Fonds Danske Invest Russia (WKN: A1CZHG).
Die Vorgeschichte ist allgemein bekannt: Am 24.02.22 begann die Invasion Russlands in der Ukraine. Der 25.02.22 war der letzte Tag, an dem die Moskauer Börse geöffnet war, ab dem 28.02.22 wurde sie zunächst geschlossen. Danach wurde es unübersichtlich: Bis zum heutigen Tag ist der Handel von Wertpapieren an der Moskauer Börse gerade für ausländische Händler nur eingeschränkt möglich. Die Wirtschaftskanzlei Goldenstein mit Hauptsitz in Potsdam beschreibt die Besonderheit des Handels in Russland wie folgt: "Russische Aktien können nur an der Moskauer Börse gehandelt werden. Dafür benötigen Investoren jedoch ein Depot in Russland. Damit Anleger auf der ganzen Welt dennoch über ihre heimischen Banken und Broker in den russischen Aktienmarkt investieren können, haben viele russische Unternehmen in den vergangenen Jahren sogenannte Depository Receipt-Programme gestartet." Folgende Komplikation tritt nun auf, so RAin Dr. Magali Kolleck-Feser aus der Kanzlei: "Im April verabschiedete die russische Duma ein Gesetz, das viele russische Unternehmen dazu zwang, ihre sogenannten Depositary Receipt-Programme zu beenden. Dadurch sind Unternehmen wie Gazprom oder Lukoil künftig nur noch an der Moskauer Börse handelbar. Europäische Anleger werden dementsprechend dazu gezwungen, ihre Hinterlegungsscheine dieser Unternehmen bis zum Auslaufen des jeweiligen Programms in tatsächliche Aktien umzutauschen. Ansonsten droht ein Zwangsverkauf der hinterlegten Aktien und im schlimmsten Fall sogar ein Totalverlust des Investments."
Unsere Kollegen von unserem Schwesterdienst 'finanztip' berichteten bereits über das entsprechende Umwandlungserfordernis (vgl. 'fit' 26/22). Die Devise für institutionelle und Privatanleger mit Russland-Exposure lautete daher: Möglichst Liquidierungen und Zwangsverkäufe von Positionen angesichts der intransparenten Marktverhältnisse vermeiden! Umso entsetzter waren unsere 'k-mi'-Leser allerdings, als sie feststellen mussten, dass die Danske Invest einen anderen Weg eingeschlagen hatte: "Mit Schreiben vom 22.03.22 informiert die Fondsplattform ebase zunächst, dass der Handel einiger Wertpapiere nicht mehr möglich ist. Mit Schreiben vom 03.05.22 werden unsere Kunden von ebase aber dann in Kenntnis gesetzt, dass der Fonds: Danske Invest Russia (WKN: A1CZHG) am 28.04.22 liquidiert wurde." Was dann folgte, war ein Schock, denn die Liquidation bedeutet für die Kunden faktisch einen Totalverlust, von dem sie zudem erst mit einiger Zeitverzögerung erfahren: "Dann vergehen Wochen und Monate des Schweigens. Nun treffen am 29.07.22 die Liquidationserlöse bei unseren Kunden ein. Im Verwendungszweck des Zahlungseinganges steht, dass der Verkauf am 28.06.22 erfolgte, es wird ein Teilverkaufserlös von 1,188 US-$ je Anteil ausgewiesen. Wieso vergehen vier Wochen, bis die Beträge bei unseren Kunden eingehen? Teilverkaufserlös deshalb, da ca. 80 % der vorhandenen Anteile ausgebucht wurden. Ca. 20 % der ursprünglichen Anteilsstückzahl werden im Bestand als gesperrt bei unseren Kunden noch angezeigt. Anfang Februar betrug der Anteilswert noch ca. 30 US-Dollar je Anteil, wir sprechen also von ca. 96 % durch Danske realisiertem Wertverlust, bezogen auf den Kurs aus Anfang Februar 2022. Für uns sieht das nach einem Skandal aus.“
Dieses Vorgehen von Danske Invest wirkt um so erklärungsbedürftiger, als andere Fondsgesellschaften offenbar deutlich überlegter vorgehen: ebase weist aktuelle ca. 60 Fonds und ETF aus mit Schwerpunkt auf Russland und Osteuropa, bei denen es entsprechende Handelseinschränkungen gibt. So hat bspw. Pictet die Investoren des Pictet Russian Equities (WKN: A0NAZ2) u. a. durch eine Mitteilung auf der Homepage darüber informiert, dass sie die Anteile vom Handel aussetzen müssen, liquidieren jedoch nicht den Fonds, so dass die Kunden abwarten können und kein Kursverlust durch die Fondsgesellschaft erzwungen realisiert wird. "Der Verwaltungsrat der SICAV wird die Aussetzung regelmäßig überprüfen, und es werden alle angemessenen Schritte unternommen, um den Aussetzungszeitraum so schnell wie möglich, unter Berücksichtigung der besten Interessen der Aktionäre, zu beenden. Über die Wiederaufnahme der Berechnung des Nettoinventarwerts und der Zeichnung, der Rücknahme und des Umtauschs von Aktien des Teilfonds wird eine weitere Mitteilung an die Aktionäre erfolgen", so Pictet weiter. Bei Danske Invest haben wir bislang vergeblich nach ähnlichen Infos auf der Homepage gesucht, die Grund und Ablauf der Liquidation des Danske Invest Russia weiter aufhellen.
Schaue man sich Topholdings an, könne man einen Wertverlust von 96 % beim Danske Invest Russia auch nicht nachvollziehen, so die 'k-mi'-Leser weiter: "Bewertet man nun den Kursverlauf dieser Positionen von Februar bis zum Liquidationsstichtag, dann ist ein derart großer Kursverlust erst recht nicht verständlich. Von den meisten Einzelwerten werden aktuelle Preise ausgewiesen, die Kursanzeigen enden somit nicht Ende Februar. Die beiden größten Positionen (Gazprom und Lukoil) sind beispielsweise um ca. 50 % gefallen. Bei Mining and Matallurgical Company und Polymetal International sieht es vermutlich schlecht aus, selbst wenn bei diesen beiden Einzelwerten ein Totalverlust eingetreten ist, erklärt das nicht den geringen Liquidationserlös. Bei Novatek und Tatneft fielen die Kursverluste dafür deutlich geringer als bei Gazprom und Lukoil aus."
'k-mi'-Fazit: 'k-mi' hat bei Dankse Invest inzwischen zu diesem dubiosen Vorgang nachgehakt. Sobald wir eine Auskunft erhalten, kommen wir umgehend darauf zurück. Für unsere 'k-mi'-Leser hat diese intransparente Liquidation mit einem minimalen Liquidationserlös jedoch schon Spuren hinterlassen: "Aus unserer Sicht handelt es sich um einen enormen Reputationsverlust von Danske Invest. Finanzmakler, die nach 34 f Nr. 1 GewO im Einsatz sind, sollten das Vorgehen von Danske Invest kennen. Wir jedenfalls werden Danske Invest zukünftig nicht mehr berücksichtigen. Das Vorgehen dieses Anbieters liegt für uns zwischen 'in keinem Fall kundenorientiert' bis 'unseriös'."