Die Green City AG hat am Montag dieser Woche "aufgrund von drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung" beim Amtsgericht München Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Damit scheint in kurzer Folge – nach der Deutschen Lichtmiete – ein weiter Anbieter von ökologischen Kapitalanlagen vor dem Aus zu stehen, der u. a. mit ominösen Nachhaltigkeits-Preisen überhäuft wurde und sich als Anleihenemittent im sog. weißen Kapitalmarkt etabliert hatte. Bereits am 17.12.2021 hatte die Green City AG darüber informiert, "dass nach pflichtgemäßem Ermessen anzunehmen ist, dass sowohl aufgrund erforderlicher Wertberichtigungen von Forderungen, Beteiligungen an Tochtergesellschaften als auch infolge von erwarteten Umsatz- und Ertragsausfällen ein Verlust in Höhe von mehr als der Hälfte des Grundkapitals der Gesellschaft im Geschäftsjahr 2021 eingetreten ist", teilt der Anbieter zu den Hintergründen mit. "Zudem hatten die Konzerngesellschaften Green City Energy Kraftwerkspark II GmbH & Co. KG, Green City Energy Kraftwerkspark III GmbH & Co. KG sowie die Green City Solarimpuls I GmbH & Co. KG, die jeweils börslich handelbare Schuldverschreibungen emittiert haben, den Kapitalmarkt darüber informiert, dass sie sich in einer finanziellen Krise befinden." Auch die Konzerngesellschaft GCE Kraftwerkspark I GmbH, so heißt es aktuell weiter, "befindet sich in einem Restrukturierungsprozess. Der Verkauf von Assets und die Rückführung von Darlehen verzögert sich und konnte nicht im gesteckten Zeitrahmen abgeschlossen werden. Aus diesem Grund hat diese Konzerngesellschaft ebenfalls einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt".
Kam dieser Schritt nun überraschend? Für 'k-mi'-Leser nicht! Wir hatten seit 2009 vor Green City gewarnt bzw. deren Emission durchweg kritisch beurteilt. Dagegen, dass einzelne Projekte scheitern, ist niemand gefeit. Aber dass eine ganze Firmengruppe mit zig Projekten so plötzlich parallel kollabiert, deutet zumindest darauf hin, dass Amateure am Werk waren und/oder die Transparenz gelitten hat. 'k-mi' hatte zuletzt im Jahr 2019 – anlässlich einer Analyse der Green City Solarimpuls-Anleihe (vgl. 'k-mi'-PC 33/19) ausführlich auf diese Gefahr hingewiesen: "Die finanzielle Situation der Konzernmutter und der Emittentin können auf der Basis des Prospektes nicht beurteilt werden. Bei der Konzernmutter werden im Prospekt als unmittelbare Beteiligungen 33 Kapitalgesellschaften bzw. Personengesellschaften aufgeführt, sowie als mittelbare Beteiligungen 45 Kapital- bzw. Personengesellschaften. Ebenfalls werden Geschäftsbereiche des Konzerns aufgeführt, ohne jedoch konkrete bilanzielle Zahlen dort zu publizieren. Zur Emittentin enthält der Prospekt 'wesentliche Bilanzwerte' sowie Zahlen aus der 'Gewinn- und Verlustrechnung' vom 07.09.2017 bis 31.12.2017 sowie vom 01.01.2018 bis zum 30.09.2018. Der 'Jahresfehlbetrag' betrug in 2017 ca. 0,376 Mio. € und ca. 0,391 Mio. € bis zum 30.09.2018, so dass sich per 30.09.2018 ein 'nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil' von 695.133 € ergab. Der Prospekt enthält ausdrücklich den Hinweis, dass zum Stichtag des ungeprüften Zwischenabschlusses 'die Emittentin bilanziell überschuldet' ist, wobei eine Insolvenzantragspflicht nicht vorliegt, da eine Patronatserklärung der Konzernmutter besteht, die jedoch bis zum 31.12.2019 befristet ist. Inwieweit sich seit diesem Stichtag die finanzielle Situation wesentlich verbessert hat, ist nicht ersichtlich, da 'Gewinnprognosen oder -schätzungen ... nicht abgegeben' wurden, so dass rech-nerisch nicht nachvollziehbar ist, inwieweit die Emittentin ihren Verpflichtungen zur Zahlung der Zinsen und zur Rückzahlung des Kapitals nachkommen kann. Ebenso wenig hat die Emittentin 'Ratings für die Emittentin oder die Wertpapiere beauftragt oder an diesen mitgewirkt', so dass auch hier die Werthaltigkeit nicht beurteilt werden kann."
Spätestens zu diesem Zeitpunkt – Mitte 2019 – war also klar, dass eine Investition bei Green City einem kleinen Himmelfahrtskommando gleichkommt! Unsere Warnungen begannen allerdings schon 10 Jahre vorher: ++ Schon 2009 urteilten wir zu Green City-Beteiligung Bio & Solar II: "Der mehr als dürftige Prospekt rechtfertigt u. E. keine positive Anlageentscheidung bzw. Entscheidung zum Mitvertrieb" ('k-mi'-PC 50/09) ++ Beim Green City-Fonds Solarpark Deutschland 2010 monierten wir u. a.: "U. E. entspricht der Prospekt bzw. die Vertriebs- Broschüre in einigen Punkten jedoch nicht den gängigen Anforderungen bzw. Standards sowie der Rechtsprechung, so dass für den Vertrieb zusätzliche Aufklärungspflichten resultieren könnten" ('k-mi'-PC 20/10) ++ Bei der Beteiligung Green City Energy Wasserkraft Frankreich lautete unser Fazit im PC 23/12: "Angesichts mehrerer Unwägbarkeiten hinsichtlich Konzept und des speziellen Anlagesegments sollte eine Beteiligung allenfalls geringfügigen Beimischungscharakter haben." Dies stellt im Prinzip 'das Höchste der Gefühle' dar, was wir uns als Zustimmung abringen konnten. Weitere kritische Analysen folgten zum ++ GCE Solarpark Weißenfels ('k-mi'-PC 30/12) ++ GCE Windpark Bayerischer Odenwald ('k-mi'-PC 17/13) ++ GCE Windpark Maßbach ('k-mi'-PC 46/13) ++ Kraftwerkspark II ('k-mi'-PC 11/14): "Größere Risiken" ++ Kraftwerkspark III ('k-mi'-PC 12/16) "wobei die unternehmerischen Risiken insbesondere hinsichtlich der Rückzahlung der Tranche B nicht unterschätzt werden sollten".
Nimmt man noch Anbieter wie z. B. UDI, Leonidas und Sharewood hinzu, wird deutlich, dass einige 'ökologische Investments' aktuell einen ganz schlechten Lauf haben. Im Kasten auf Seite 2 haben wir Ihnen eine Übersicht von Problemfällen der letzten Jahre zusammengestellt, bei denen 'k-mi' jeweils vorher gewarnt hat! Solche Fälle sind jedoch kein Argument gegen Nachhaltigkeit oder Investments von Erneuerbaren an sich: Wichtig ist vor allem, dass man sich nicht von moralischen oder sonstigen 'weichen' Gewissens-Kriterien leiten lässt. Knallharte klassische Rentabilitätsfaktoren sowie Risikoabschätzungen sollten immer die Oberhand haben vor dem reinen Gefühl, durch grüne Investments 'Gutes' zu tun. Die Übersicht der Öko-Schieflagen widerlegt auch zwei weitere gängige Klischees: Es handelt sich weder um ein reines 'Graumarkt'-Phänomen, noch sind Vermittler hier pauschal auf der Anklagebank: Viele größere Öko-Enttäuschungen waren im sog. 'weißen' Markt aktiv (Lichtmiete, German Pellets, Green City) und/oder wurden per Direktvertrieb ohne Vermittler unter die Leute gebracht (z. B. UDI und Prokon).
'k-mi'-Fazit: Kriselnde Öko-Investments sollten vor allem für die hochfliegenden Pläne der EU-Kommission für ihren 'Green Deal' ein Warnzeichen sein: Wenn die künstlich und durch moralisch-willkürliche Lenkungskriterien erzeugte 'Sustainable Finance'-Geldschwemme auf begrenzte Ressourcen im Bereich ökologischer Investments trifft, sind Preisblasen sowie Verluste für Privatanleger durch Trittbrettfahrer vorprogrammiert!
In den kommenden Wochen zeigen wir Ihnen erneut bei der Präsentation der 'k-mi'-Branchenstatistik 2021, welche Anbieter hier u. a. in diesem Bereich der geschlossenen ökologischen Sachwert-Investments langfristig solide Arbeit machen!
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