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P&R-Skandal 2.0: Schatten-Leuchten bei Deutsche Lichtmiete?

Es gibt eine neue Wendung im Insolvenz-Chaos um die Deutsche Lichtmiete: Offenbar haben die Lichtmiete-Verantwortlichen vor, die zahlreichen Insolvenzanträge zurückzunehmen. Offiziell bestätigt ist dies bislang nur für einige Emittentengesellschaften der Direktinvestments, bei denen der Beschluss zur Anordnung von Sicherungsmaßnahmen von Anfang Januar 2022 nun jeweils aufgehoben wurde. Dazu später mehr. Etwas mehr Licht fällt aktuell auf die bislang spärlich nach außen gedrungenen Gründe der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und das Chaos bei dem Anbieter von Anleihen und Direktinvestments: Nach den vorläufigen Erkenntnissen der Insolvenzverwalter der diversen Lichtmiete-Gesellschaften, die zunächst Insolvenzanträge gestellt hatten (vgl. 'k-mi' 02/22), fährt die Staatsanwaltschaft schwere Geschütze gegen die Verantwortlichen auf: Der Vorwurf der Ermittlungsbehörde in Oldenburg ist, dass es sich bei dem Finanzierungsmodell der Deutschen Lichtmiete um ein Ponzi-System handelt! Also ein System, das vortäuscht, dass Gewinne aus normalen Geschäftsaktivitäten stammen, obwohl tatsächlich andere bzw. neue Investoren die Geldquelle sind. Erneut ist an dieser Stelle zu betonen, dass für die Beschuldigten die Unschuldsvermutung gilt.

Die bisherigen Erkenntnisse der Lichtmiete-Insolvenzverwalter, die nun nach und nach ans Licht der Öffentlichkeit gelangen, stützen jedoch den Verdacht der StA. Bei der Deutschen Lichtmiete handelt es sich offenbar um P&R 'in Grün':  ++ Nach den bisherigen Erkenntnissen der Insolvenzverwaltung wurden in den Jahren 2016 bis 2021 von der Lichtmiete-Produktionsgesellschaft 137.000 LED-Leuchten produziert. An die Handelsgesellschaft verkauft wurden im gleichen Zeitraum jedoch 379.000 Leuchten, wohl überwiegend finanziert durch Investoren-Gelder. Ähnlich wie P&R und der Container-Schattenflotte ergibt sich also eine mutmaßliche Lücke von über 240.000 Leuchten bzw. geschätzten Produktionskosten von 56 Mio. €, die wohl kaum über den Einkauf von Dritt-Produkten erklärt werden können. Sollten sich diese Verdachtsmomente bestätigen, wurden Investoren demnach im großen Stil Leuchten verkauft, die nie existierten bzw. produziert wurden  ++ Bis 2021 konnten offenbar 700 Mietverträge bei 400 Kunden abgeschlossen werden. Daraus resultierte jedoch nur ein Cash-Flow von zuletzt 4,1 Mio. in 2021. Also nur ein Bruchteil, was an Zahlungsverpflichtungen gegenüber den (Anleihe-)Investoren besteht  ++ Auch die Laufzeit der Mietverträge waren nicht wie angepriesen. Im Jahr 2015 erklärte Lichtmiete-Chef Alexander Hahn noch auf unsere Rückfrage zur Kon­gruenz von Miet- und Investorenverträgen: "Die mit unseren Mietkunden vereinbarten Grundmietzeiten liegen zwischen 3 und 8 Jahren. Derzeit liegt der Durchschnitt bei rund 5 Jahren" (vgl. 'k-mi' 22/15). Nach aktuellen Informationen liegen die Mietvertragslaufzeiten aber in der Regel deutlich darunter, wohl auch um die Akquise von Neugeschäft zu erleichtern  ++ Auch bei den Wartungs- und Servicekosten für die Mietkunden passten die Kalkulationen der Lichtmiete offenbar nicht. Selbst so banale Dinge wie die Anmietung von Hebebühnen zur Hallenmontage liefen zuletzt kostenmäßig offenbar aus dem Ruder.     

Zum Fall P&R gibt es aber einen bedeutenden Unterschied: Die operative Tätigkeit der Container-Vermietung von 'P&R' vollzog sich weitgehend in der Schweiz, so dass von vornherein die Transparenz eingeschränkt war (vgl. 'k-mi'-PC 08/17). Bei der Deutschen Lichtmiete vollzog sich das operative Geschäft fast ausschließlich in Deutschland. Fragt sich also, wie die wahren wirtschaftlichen Verhältnisse so lange vor der testierenden WP-Gesellschaft FTSP FRISIA-TREUHAND Schmädeke verborgen werden konnten. Wir hatten in der Ausgabe 02/22 dazu schon einige Fragen hinsichtlich der Bilanzierung, Bewertung und Testierung von Anlagevermögen und Mieterträgen aufgeworfen. Im Licht der aktuellen – vorläufigen – Erkenntnisse gewinnen diese Punkte u. E. weiter an Brisanz. Brisant wird die Lage auch für die Mietpool- und Sicherheiten-Treuhänderin THD Treuhanddepot GmbH, die bei einigen Angeboten auch die Funktion einer formalen Mittelverwendungskontrolle wahrnimmt, die es nun zu hinterfragen gilt (vgl. 'k-mi' 04/22).

Um das Chaos komplett zu machen, verschickt die THD an Investoren eine "Rechnung betreffend Ersatz von Aufwendungen und Vorschuss für Sach- und Personalkosten sowie Kosten für anwaltliche Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Mieteinnahmenpoolvertrag". THD-Geschäftsführer Lars Clasen schreibt dort, dass er Geld braucht: "Obwohl der Mieteinnahmenpool nach dem Mieteinnahmenpoolvertrag erst mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens aktiv wird, ist die THD bereits jetzt für Sie tätig geworden. Dafür entstehende Kosten haben wir bislang vorgestreckt, weil es bisher noch keine Pooleinnahmen gibt und eine Erstattung verauslagter Kosten erst mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens erfolgen kann." Nicht nur aufgrund des Schwebe­zustands bei den Insolvenzen empfiehlt RA Marc Gericke, Gericke Rechtsanwaltsgesellschaft/Lahnstein, den Investoren aktuell, die THD-Rechnungen nicht einfach so zu bezahlen: "Für die THD Treuhanddepot GmbH als Treuhänderin des Mieteinnahmenpoolvertrages wird es nun eng. Ohne Insolvenzverfahren gibt es eigentlich nichts, was sie tun kann. Ob sich dann die von ihr geforderten Kostenbeiträge überhaupt noch durchsetzen lassen, darf bezweifelt werden. Bis das Insolvenzgericht nun über die Rücknahmen entschieden hat, sollten Anleger jedenfalls nichts zahlen, ohne vorher anwaltliche Beratung in Anspruch genommen zu haben."

'k-mi'-Fazit: Sollten die Insolvenzanträge bei den zahlreichen Gesellschaften der Deutsche Lichtmiete zurückgenommen werden, bedeutet dies (leider) keinen Befreiungsschlag für die Investoren. Zu schwer wiegen u. E. inzwischen die Verdachtsmomente gegen Alexander Hahn und die weiteren Hintermänner. Diese könnten dann zunächst relativ unbehelligt weiterwursteln. Die StA sieht aber ein glasklares Ponzi-System am Werk. Zumindest scheint es deutliche Parallelen zum Fall P&R und der Container-Schattenflotte zu geben: Denn bei der Lichtmiete verfestigen sich die Verdachtsmomente, dass es hier auch 'Schatten-Leuchten' gibt.

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