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Prospekt-Check: Agri Terra Citrus Basket I

Agri Terra Citrus Basket I. Mit dem Angebot wird das Ziel verfolgt, Anlegern die Möglichkeit zu geben, sich am Anbau und der Bewirtschaftung und der Weiterverarbeitung von Orangen, dem Anbau und der Bewirtschaftung von Zitrusfrüchten sowie dem Gewächshaus-Anbau und -Bewirtschaftung anderer Obstsorten und Gemüse in Paraguay zu beteiligen und durch den Verkauf der Ernten laufende Jahres­erträge zu generieren, dabei aber gleichzeitig auch eine Anlagestrategie des Erwerbs landwirt­schaftlicher Flächen zu verfolgen. Das geplante Emissionsvolumen lag ursprüng­lich bei 35 Mio. US-$ zzgl. Erhöhungsoption. Mit Nachtrag vom 16.05.2022 wurde dieses allerdings auf 10 Mio. US-$ reduziert. Gleichzeitig wurde die geplante Laufzeit von rund 20 Jahren auf rund 5 Jahre erheblich verkürzt sowie der letzte Schließungstermin auf den 31.12.2023 verlängert, so dass sich durch den Nachtrag erhebliche konzeptionelle Veränderungen ergeben. Die Mindestbeteiligung beträgt 10.000 US-$ zzgl. 5 % Ausgabeaufschlag (Agio). Höhere Beteiligungen müssen ohne Rest durch 1.000 teilbar sein.

Beteiligungsgesellschaft: Agri Terra Citrus Basket I GmbH & Co. geschlossene Investment KG (St.-­Ottilien-Weg 11, 85630 Grasbrunn). Persönlich haftende Gesellschafterin (Komplementärin) der Investmentgesellschaft: Sunrise Capital Verwaltungs GmbH (Reichenaustr. 19, 78467 Konstanz). Initiatorin; Agri Terra KG (Gut Möschenfeld, St.-Ottilien-Weg 11, 85630 Grasbrunn). Kapitalverwaltungsgesellschaft: ADREALIS Service Kapitalverwaltungs-GmbH (Maximiliansplatz 12, 80333 München). Verwahrstelle: Rödl AIF Verwahrstelle GmbH Steuerberatungsgesellschaft (Kehrwieder 9, 20457 Hamburg). Treuhandkommanditistin: Curia Treuhand GmbH Steuerberatungsgesellschaft (Elsenheimerstraße 7, 80687 München). Fondsbuchhaltung: Prospero Service GmbH (Reichenaustr. 19, 78467 Konstanz).

Unsere Meinung: ++ Bereits im Jahr 2015 hatte 'k-mi' ein Angebot der Agri Terra Kommanditgesellschaft (Schulstr. 40 B, 33647 Bielefeld) analysiert. Hierbei handelte es sich um den Abschluss eines Direktinvestmentvertrages über Rindereigentum und Auftrags-Rinderhaltung in Paraguay. Unser Fazit lautete seinerzeit: "Wenn bei dieser unternehmerischen Beteiligung mit Totalverlustrisiko etwas schieflaufen sollte, müssten Investoren versuchen, sich selbst ggf. in Paraguay ihr Recht zu verschaffen oder sich dort selbst um ihre Rinderhaltung kümmern. Wie dies praktikabel sein soll, erschließt sich uns nicht (…) Aufgrund der unzulänglichen Verkaufs- und Vertragsunterlagen halten wir dieses Rinderaufzuchtangebot am ehesten geeignet für Hornochsen, so dass man diese Unterlagen lieber gleich dem Altpapiercontainer zuführen sollte." (vgl. 'k-mi'-PC 23/15). Im Jahr 2017 wurde der Sitz der Anbieterin von Bielefeld nach Grasbrunn verlegt. Konkrete Informationen über den Verlauf des z. B. 2015 angebotenen Direktinvestments enthält der Prospekt nicht. Zur Geschäftstätigkeit heißt es dort im Wesentlichen: "Die Agri Terra KG verwaltet sowohl eigene Investitionen wie auch Investitionen Dritter im Agrar-Sektor im südamerikanischen Paraguay. Schwerpunkte bilden die Viehwirtschaft (Rinder- sowie Kälberaufzucht), Zitrusplantagen (dabei liegt der Schwerpunkt auf Orangen) sowie Gewächshäusern für die Produktion von Obst und Gemüse." Zur Entwicklung der Vergangenheitsaktivitäten wird lediglich ausgeführt, dass die Initiatorin Agri Terra KG "zwischen Januar 2016 und April 2018 interessierten Investoren weltweit die Möglichkeit bot, über die Gesellschaft Landparzellen zu erwerben, welche Teil groß angelegter Orangenplantagen in Paraguay waren", sowie dass sie außerdem seit Januar 2017 für Anleger aus verschiedenen Ländern in 16 Gewächshaus­projekte in Paraguay investiert. In den Gewächs­häusern wird Obst und Gemüse für den paraguayischen Markt hergestellt. Acht Gewächshäuser wurden inzwischen errichtet und in Betrieb genommen (Investitionsphase abgeschlossen), während sich weitere acht Einheiten noch im Anlieferungs- bzw. Importprozess befinden. In diesem Zusammenhang ist jedoch zu beachten, dass die BaFin im Jahr 2018 der Agri Terra KG das öffentliche Angebot der Vermögensanlage mit der Bezeichnung "Landerwerb in Paraguay mit OrangenRENTE" wegen fehlendem Verkaufsprospekt untersagt hat. Insgesamt ist demnach eine Beurteilung der Leistungsfähigkeit des Anbieters anhand der Prospektunterlagen nicht möglich und werfen Fragen auf.

++ Das Anlageziel der Investmentgesellschaft bzw. deren Anlagepolitik wird beschrieben als "Beteiligung an den Zielgesellschaften in Paraguay". Diese Ziel- bzw. Zweckgesellschaften erwerben geeignete Agrarflächen (Landparzellen), um jeweils ausgewählte Obst- und Gemüsesorten anzubauen (Freiland- oder Gewächshausanbau). Bezweckt werden soll damit die Erzielung einer positiven Rendite, und zwar einerseits aus der laufenden Verwertung der Ernten während der Bewirtschaftungsphase und andererseits aus der späteren Veräußerung der Zielgesellschaften (Share Deal) bzw. deren Liquidation, verbunden mit dem Verkauf des jeweils vorhandenen Anlagevermögens nach Ablauf der Fruchtziehungszeit (Asset Deal). Drei Zielgesellschaften werden im Prospekt kurz vorgestellt. Bei diesen hat Carsten Pfau, ein Gesellschafter der Agri Terra KG,  als "Managing Director" jeweils die Geschäftsführung übernommen. Es ist u. a. geplant, sich über eine Zielgesellschaft (Paraguay Lemon S.A.) an einer Gesellschaft der Agri Terra-Gruppe in Paraguay zu beteiligen, welche eine Fabrikanlage für die Weiterverarbeitung von geernteten Zitrusfrüchten (insbesondere Orangen) planen, errichten und betreiben wird. Bei dieser Gesellschaft der Agri Terra-­Gruppe handelt es sich laut Prospekt um die im Gründungsprozess befindliche 'Citri-Industrias Paraguay S.A.', deren Unternehmenszweck die Entwicklung, Errichtung und Bewirtschaftung einer Fabrikanlage für die Herstellung von (Zitrus- bzw.) Orangensaftkonzentrat, von Orangenöl sowie Orangenfaser-­Pellets ist. Es liegen somit Verflechtungen vor, die entsprechende Interessenkonflikte auslösen können. Im Nachtrag wird diese Angabe dahingehend abgeändert, dass die Zielgesellschaft 'Lemon' nunmehr beabsichtigt, statt dessen ein Paket an Vorzugsaktien an der 'Paraguay Fresh S.A.' zu erwerben, die ebenfalls zur Agri Terra Gruppe gehört. Inwiefern dies nur eine Namensänderung darstellt oder eine inhaltliche Änderung der Investitionsvorhaben, ist aus den Erläuterungen nicht ersichtlich, so dass auch bzgl. der Stringenz des Portfoliomanagements Unklarheiten bestehen. Gemäß Nachtrag hat es zudem seit Prospektauflage umfangreiche personelle Veränderungen bei der Geschäftsführung der ADREALIS Service Kapital­ver­waltungs GmbH (KVG) gegeben.

++ Durch die weitreichenden Änderungen am Zahlenwerk durch den Nachtrag ergeben sich nach unserer Auffassung Plausibilitätsdefizite, u. a. da die Änderung der Annahmen nur unzureichend kommentiert werden: Im Ursprungs-Prospekt wurde innerhalb einer Laufzeit von knapp 20 Jahren (Oktober 2020 bis Dezember 2039) für das Kommanditkapital von 35 Mio. US-$ ein Gesamtrückfluss von knapp 350 % angenommen. Bezogen auf die planmäßigen Investitionen in paraguayische Zielgesellschaften i. H. v. 32,15 Mio. US-$ wird somit – berechnet nach PRIIPS-BiB-Methode – eine Rentabilität von ca. 7,3 % p. a. unterstellt, wobei keine Auszahlungen an die Beteiligungsgesellschaft bzw. Investoren berücksichtigt werden. Gemäß der Prognose-Eckdaten des Nachtrags wird nun für das angepasste Kommanditkapital von 10 Mio. US-$ ein Gesamtrückfluss von knapp 166 % angenommen, allerdings in einem Zeitraum von nur noch 4 Jahren (Erste Beteiligung an einer Zielgesellschaft Dezember 2022 bis Dezember 2026). Bezogen auf die planmäßigen Investitionen der geänderten Nachtrags-Kalkulation in paraguayische Zielgesellschaften i. H. v. 9,03 Mio. US-$ wird somit eine signifikant höhere Rentabilität dieser Investitionen unterstellt. Die Abweichungen hinsichtlich Rentabilität und Zeitpunkt von Veräußerungserlösen zwischen Prospekt und Nachtrag werden u. a. unzureichend erläutert, zumal weder Prospekt noch Nachtrag eine detaillierte Prognoserechnung enthalten, so dass nicht ersichtlich ist, wie eine derart hohe EK-Rentabilität ohne Fremdkapitaleinsatz erwirtschaftet werden soll. Darüber hinaus enthalten weder Prospekt noch Nachtrag detaillierte Angaben darüber, in welcher Höhe z. B. laufende Auszahlungen an Investoren erfolgen sollen. 

'k-mi'-Fazit: Indiskutables Angebot, dass nach unserer Meinung nicht öffentlich für Privatanleger angeboten werden sollte und aufgrund seines spekulativen Charakters ggf. geeignet ist, das Vertrauen in geschlossene Publikums-AIF zu beeinträchtigen. Die Konzeption wirft u. E. auch Fragen hinsichtlich der diesbezüglichen Sorgfalt der Service-KVG auf.

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