In 'k-mi' 30/21 "edira Campus 1: Was treibt einen Anleger in diesen AIF?" rieten wir "zur höchsten Vorsicht" beim AIF-Angebot edira Campus 1 GmbH & Co. geschlossene InvKG, den wir in die Produktkategorie "Unterste Schublade" ablegten. Dem Verkaufsprospekt konnten wir angesichts inhaltlicher Dürftigkeit in Bezug auf seine wirtschaftliche Aussagekraft nichts abgewinnen. Die suggerierte Attraktivität von Studentenwohnungen für Investoren sollte in Corana-Zeiten durch aktuellere Studien belegt werden, die aus heutiger Sicht die Zukunftsperspektive derartiger Spezialimmobilien beleuchten, um dem Anleger eine realistische Vorstellung zu möglichen Risiken an die Hand zu geben, so unser Rat. Auch wunderten wir uns über den niedrigen Kaufpreisfaktor von 12,61 für die zu erwerbenden Immobilien (Kauf, Renovierung, Neubau, Nebenkosten etc.), bei kalkulierten Kosten von 49,65 Mio. € und jährlichen Gesamtmieteinnahmen von 3,939 Mio. €. Bevor also Anleger den Strategen aus Nürnberg, mit Vergangenheit beim dubiosen und insolvent gegangenen Anbieter Shedlin, ihr Geld anvertrauen, hielten wir in unserer Berichterstattung deshalb eine detaillierte Aufklärung über die Verwendung der eingesammelten Mittel für erforderlich:
Aus unserem Leserkreis erreichten uns darauf hin u. a. zwei Flyer zu Investitionsobjekten dieses Investments mit der Bitte verknüpft: "Vielleicht sind diese Unterlagen (…) für Sie erneut Grund, diese zu prüfen und zu kommentieren. Wir fanden die Aussagen bisher recht schlüssig (…) sind jetzt jedoch entsprechend zurückhaltend aufgrund Ihrer Ausführungen und Hintergrundanalysen. Vielen Dank und weiter so."
Unseren Leserwünschen kommen wir selbstverständlich sehr gerne nach. Bei den beiden Zielobjekten handelt es sich um: ++ Das Studentenwohnheim Hermann-Ehlers-Haus Oldenburg (ca. 3.759 m² Grundstücksfläche und 2.466 m² Bruttogrundfläche) aus dem Jahr 1974 mit einem Hauptgebäude über elf Etagen und 174 Einzelzimmern sowie einem Nebengebäude mit drei Etagen und 13 Studios sowie einer 2-Zimmer-Wohnung. Hinzu kommen im Außenbereich u. a. 55 Parkplätze und 4 Garagen ++ Das Studentenwohnheim Hermann-Ehlers-Haus Osnabrück (ca. 11.301 m² Grundstücksfläche und 5.071 m² Bruttogrundfläche) aus dem Jahr 1976 , bestehend aus fünf Blöcken, vier davon fünfstöckig und einer vierstöckig. Insgesamt verfügt das Objekt u. a. über 311 Betten und 140 Parkplätzen. Während das Objekt in Oldenburg im westlich gelegenen Stadtteil Eversten rund acht Fußminuten von der Carl-von-Ossietzky-Universität relativ zentral gelegen ist, befindet sich die größere Osnabrücker Immobilie am Stadtrand und mit 4,3 km vom Hauptbahnhof gelegen in weniger begehrter Lage. Interessant wird es beim baulichen Zustand:
In den Flyern werden beide Immobilien aus den 70er Jahren mit "solider Bauweise" beschrieben: "Der Gebäudezustand ist angemessen. Die Ausstattung der Apartments muss erneuert werden." Zum Gebäude heißt es dort jeweils: "Sanierungsfähige leichte Baumängel." Im Großen und Ganzen scheint man ins Mobiliar investieren zu wollen, während bei der Bausubstanz, bis auf wenige Baumängel, kein erwähnenswerter Sanierungsbedarf besteht, glaubt man den Aussagen des Anbieters. Doch blicken wir auf öffentlich zugängliche Google-Bewertungen beider Häuser. Das Studierendenwohnheim in Oldenburg wird mit 3,3 von möglichen 5 Punkten mittelmäßig bewertet.
Dort heißt es beispielsweise: ++ Juan Boullosa (vor 3 Monaten): "Sie haben das ganze Gebäude mit weniger als vier Wochen vorheriger Ankündigung zur gleichen Zeit rausgeschmissen (…) Ich bin jedoch froh, weil alles zusammenfiel. Extrem unbequeme Einrichtungen, ständig steigende Preise, sehr schmutzige Umgebungen (…) Im Allgemeinen kann ich dies als eine äußerst gierige Firma beschreiben, die sich nur um Geld kümmert und nicht genügend Ressourcen oder Absichten in die Behebung der krassen Probleme des Gebäudes steckt (…)" ++ Stardos 95 (vor 8 Monaten): "(…) Ein großer Minuspunkt war die viel zu hohe Miete. Die hohe Nachfrage an uni-nahen Wohnmöglichkeiten wurde gnadenlos ausgenutzt (…) Die Zimmer wirkten wie Gefängnisräume mit ihren 12,5 m² (…) Komischerweise war ich in meiner Zeit im Hermann-Ehlers-Haus auffallend häufig krank, lag vielleicht an möglichem Schimmelbefall (?). Alles in allem definitiv eine mehr als abenteuerliche Zeit." ++ Hendrik (vor einem Jahr): "Die schönste Zeit meines Lebens. Aber wegen der Leute, nicht wegen der Betreiber." ++ Daniel Cappelmann (vor 2 Jahren): "Habe nicht gerne dort gewohnt. Außerdem ist es für die Leistung viel zu teuer. Die Kühlschränke sind defekt und es wird sich nicht gekümmert." ++ Ziad Hisham (vor 2 Jahren): "Der schlimmste Ort, an dem jemand leben kann, ich habe dort sechs Monate gelebt, die Toilette und die Küche waren immer dreckig." ++ Martina Tietken (vor 3 Jahren): "Besuche meinen Sohn öfters und ich finde das Haus schmutzig! WC ist immer dreckig. Küche geht gar nicht, es riecht übel auf den Fluren! Ausstattung von 1979???" ++ Nadine Weiberg (vor 3 Jahren): "Das dreckigste Haus was ich je gesehen habe (…) Arbeiten braucht man da auch nicht als Reinigungskraft, da man eh raus gemobbt wird (…)"
Mit 3,1 wird das größere Objekt in Osnabrück noch etwas schlechter bei Google bewertet, entsprechend fallen die Kommentare aus: ++ Herr Fair (vor 5 Tagen): "Die Qualität des Hauses, des Interieurs, der Bewohner und vor allem die des Managements lässt wirklich zu wünschen übrig. Im Zuge der Renovierung wurden alle Bewohner*innen einfach rausgeschmissen, ohne rechtzeitige Ankündigung! Keine zwei Wochen bevor ALLE ausziehen mussten, kam eine E-Mail mit dem Hinweis, dass sich doch bitte um etwas Neues gekümmert werden muss (…) WIRKLICH NICHT ZU EMPFEHLEN!" ++ Vanguard (vor 2 Wochen): "Kurzfassung: Wer gedient hat, wird sich hier auf jeden Fall wohlfühlen können (…)" ++ Ali Abdallah (vor 4 Monaten): "Ein Stern ist zu viel für diesen schlechten Ort." ++ Cetin Colpan (vor 8 Monaten): "Die Höhe der Widerlichkeit der Zimmer wird nur durch den Charakter der Verwaltung überboten (…)" Ansonsten reichen die Beschwerden über schmutzige Küchen, Bäder, Fettbeläge bis hin zur Vermutung von Rattenbefall.
In den öffentlichen Schlagzeilen stand das Haus im Jahr 2016, als der ehemaliger Hausbewohner Igor Bashkin über Schimmel, Dreck und Diebstähle sich Luft verschaffte, was der 'Focus' am 21.10.2016 aufgriff: "Lasst euch nicht von den schönen Bildern auf der Homepage blenden!“ bzw. "Genau wie die Möbel in meinem Zimmer wurde in der Küche seit der Erfindung vom Telefon nichts gemacht", wird dort Bashkin zitiert. Trotz furchtbarer Etagen-Toiletten mit Fäkalien, schwarzem Schimmel im Zimmer und sonstigen Unannehmlichkeiten zahlte er vor fünf Jahren für sein 12 m² großes Zimmer stolze 225 €/Monat an Miete.
Während diese Schilderungen eher auf gravierende Mängel schließen lassen, scheint die Immobiliengesellschaft den Sanierungsbedarf kleinzureden. Die Kaufpreise beider Häuser, inkl. Sanierung werden mit 10,673 Mio. € für Oldenburg bzw. 18,828 Mio. € für Osnabrück genannt. Was bei der Kaufpreisfaktor-Betrachtung noch nach einem Immobilienschnäppchen klang, relativiert sich nun beim durchschnittlichen Kaufpreis/m2 von 3.712 € in Osnabrück bzw. 4.328 € in Oldenburg. Diese Beträge halten wir in Anbetracht der offensichtlichen Wertigkeit und Lage für hoch, auch wenn der Kaufpreisanteil für die Stellplätze hier mitberücksichtigt ist. Richtig schwindelig wird uns jedoch, mit welchen Mietforderungen der Anbieter nach den Auffrischungsmaßnahmen auf Mieterfang gehen will, schließlich scheinen die zuvor verlangten Konditionen bereits am Maximum der Toleranzgrenze gelegen zu haben, wie den Internetstimmen zu entnehmen ist: In Oldenburg will man die Gesamtmiete um +26,5 % auf 835.176 € und in Osnabrück um +27,2 % auf 1.397.832 € anheben.
Ob diese gewaltigen Steigerungen realistisch sind, darf in Zweifel gezogen werden, auch weil durch Corona die Nachfrage nach benötigten Studentenwohnheimen neu durchgemischt wird. Auch sollte man sich keinen Sand in die Augen streuen lassen durch die "Haftung für die Erstvermietung" nach der Sanierung durch die CROSSLANE Group. Denn aus den Netzstimmen lässt sich erkennen, dass zahlreiche Bewohner die beiden Häuser nur als kurzfristige 'Parkbank' nutzten, um sich sodann nach anderweitigem, bezahlbaren Wohnraum umzusehen. Deshalb kann die 'Erstvermietungsgarantie' angesichts vermutlich unterdurchschnittlicher Verweildauer schneller verpuffen, als es den AIF-Investoren lieb sein kann! Wie wir aus dem Markt hören, scheint Peter Stricker, Geschäftsführer der Berliner Vertriebsgesellschaft Promotum, in Nibelungentreue zur Edira-Geschäftsleitung um RA Ralf Landwehr sich persönlich bei der Gewinnung von Vertriebspartner ins Zeug zu legen. Hat Stricker eigentlich aus dem Shedlin-Desaster als Vertriebslok keine Lehren gezogen?
'k-mi'-Fazit: Die edira-Investitionsobjekt-Flyer bestärken uns in der Annahme, dass hier ein Big Deal abläuft – allerdings leider an den AIF-Anlegern vorbei. Für die Investoren besteht damit die Gefahr, dass sie scheinbar günstig erscheinende Studentenwohnungen überteuert erwerben, deren Mieteinnahmen in prospektierter Höhe sich als unrealisierbar erweisen könnten. Deshalb gehört für uns das Angebot in den Papierkorb statt ins Portfolio.