Heuchlerisch und scheinheilig – so präsentiert sich aktuell die S&D-Fraktion in Brüssel. Denn es ist nicht lange her, da klickten bei Mitgliedern der Sozialisten und Sozialdemokraten im EU-Parlament die Handschellen. Die nicht unbedingt als konservatives Leitmedium bekannte Süddeutsche Zeitung berichtet Ende Januar 2023 zum sog. 'Katargate' äußerst kritisch: "Gut einen Monat ist es jetzt her, dass die belgische Polizei damit begonnen hat, den Korruptionsskandal im EU-Parlament aufzurollen. Mehrere Menschen wurden verhaftet, unter ihnen eine Vizepräsidentin des Parlaments, die Griechin Eva Kaili, und ein ehemaliger Europaparlamentarier (...) Die Details sind abenteuerlich – es geht um Koffer voller Bargeld, um Millionen von Euro aus Katar und Marokko, die mutmaßlich an Parlamentarier verteilt wurden, um Einfluss auf deren Arbeit zu nehmen." Die Verdächtigen verbindet allerdings nicht nur, so die 'SZ' weiter, dass sie alle mit dem EU-Parlament zu tun hatten. "Eine andere Klammer ist, dass die Abgeordneten, die bisher in den Skandal verwickelt sind, allesamt aus derselben Fraktion stammen: den europäischen Sozialdemokraten, kurz S&D." Aber ausgerechnet die durch einen massiven Korruptions- und Finanzskandal erschütterte S&D-Group bzw. Fraktion im EU-Parlament schürt in einem schablonenhaften Video zur Retail Investment Strategy der EU-Kommission nun plumpe und pauschale Vorurteile gegen Hunderttausende von Finanzdienstleistern in ganz Europa: In einem am 25.05.2023 veröffentlichten Video der S&D-Group stecken sich Anzugträger mit bizarren Schnurrbärten Geldscheine zu, um alte Omas zu betrügen! Wider besseren Wissens wird also in diesem infantilen Skandal-Video Finanzberatern pauschale Abzocke unterstellt.
'k-mi'-Fazit: Wie heuchlerisch und selbstgerecht kann man sein? Sollten EU-Parlamentarier nicht verpflichtet sein, zu einem differenzierten Bild und Bewertung der unterschiedlichen Vergütungsarten in der Finanzdienstleistung beizutragen, anstatt faktenfreien Populismus zu betreiben? Gerade die jüngsten Studien der Kommission zeigen doch, dass die Schwarz-weiß-Malerei keine empirische Grundlage hat (vgl. z. B. 'k-mi' 10/23). Dieser lupenreine – für Fachpolitiker komplett unwürdige – Populismus verunsichert und lähmt Verbraucher bei Anlageentscheidungen, und ist damit das Gegenteil von Verbraucherschutz.