In der aktuellen Ausgabe berichtet ‚Finanztest‘ über BU-Versicherungen (Juli 2019; „Nicht in der Armut landen“). Losgelöst von den ausgewählten Testkriterien, deren Gewichtung und den darauf basierenden Testergebnissen halten wir es gerade bei der BU weiterhin für gefährlich, Verbrauchern „in fünf Schritten zum guten Vertrag“ ein ‚Do-it-yourself‘-Verfahren anzuraten. Zunächst verweist Finanztest auf Versicherungsvermittler und -berater. „Doch junge und gesunde Menschen können den Abschluss auch selbst in die Hand nehmen. Unsere Grafik links zeigt, wie das geht“, empfiehlt Finanztest.
Obendrein sollen sich die Schutzsuchenden dabei an den „Testergebnissen orientieren“. Weiterhin Kompetenz vermissen lässt Finanztest auch bei der Kenntnis um das Berufsbild Versicherungsmakler: „Viele Interessierte schließen ihren Vertrag über einen Versicherungsvertreter ab oder über einen Makler, der viele Versicherer vertritt.“
Nein, ein Vertreter vertritt Versicherer. Ein Versicherungsmakler arbeitet im Auftrag des Kunden und ist verpflichtet, die zu dem Verbraucher passende individuelle Produktlösung aus der Breite des Marktes herausfiltern. Auf eine andere gravierende Ungereimtheit macht BU-Experte und Versicherungsmakler Matthias Helberg in seinem Blog (https://tinyurl.com/y48fdbeo) aufmerksam. Finanztest lässt Anträge mit einer Gewichtung von 25 % in das „Qualitätsurteil“ einfließen:
„Im Test haben wir auch die Anträge der Versicherer bewertet. Ein ‚Sehr gut‘ gab es, wenn sie faire und verständliche Gesundheitsfragen stellen (…). Als kundenunfreundlich haben wir es etwa bewertet, wenn ein Unternehmen (…) schwammige Begriffe verwendet, wie ‚Beschwerden‘ oder ‚Störungen‘.“ Das liest sich transparent, die Realität sieht aber anders aus. Der Testsieger Hannoversche Lebensversicherung hat ‚++ (0,5)‘ bei Anträge erhalten. Die Bewertung ‚++‘ steht für „Sehr gut (0,5–1,5)“.
Doch Helberg entlarvt: „Bestehen oder bestanden in den letzten 3 Monaten Gesundheitsstörungen oder Beschwerden?“ – so lautet eine Gesundheitsfrage des Testsiegers, die Finanztest als „kundenunfreundlich“ definiert, aber dennoch die Höchstnote vergibt. Über weitere Ungereimtheiten berichten wir in der kommenden ‚vt‘-Ausgabe.