Michael H. Heinz, Präsident Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute e.V.: ++ „Der BVK wird sich mit Nachdruck dafür einsetzen, dem Berufsstand eine Atempause bei der Umsetzung bestehender Gesetze und Verordnungen zu verschaffen und von weiteren Regulierungen abzusehen. So drohen insbesondere auf der EU-Ebene weitere Regulierungen, insbesondere mit dem Digital Operational Resilience Act – (DORA), der uns mittelständische Vermittler behandelt, als wären wir für die Stabilität digitaler Systeme des Finanzsektors genauso systemrelevant wie große Finanzhäuser
++ Angesichts der EU-Beratungen zu einem Klassifizierungssystem zur Nachhaltigkeit (die sog. Taxonomie), welche Produkte und Investments zukünftig als nachhaltig angesehen werden dürfen, unterstützen wir unsere Mitglieder bei diesem Themenkomplex. Der BVK versteht Nachhaltigkeit als eine wichtige Wertehaltung. Deshalb entwickelte der BVK einen Standard, der die Formulierung einer Nachhaltigkeitsstrategie für den einzelnen Vermittlerbetrieb beinhaltet.
Auf der Plattform www.nachhaltiger-vermittlerbetrieb.de können zukünftig Vermittlerbetriebe auf freiwilliger Basis die Erfüllung der Nachhaltigkeitsziele veröffentlichen. Damit ermöglicht diese Initiative eine deutlich erkennbare Marktpositionierung und Wettbewerbsvorteile. Dies entspricht im Übrigen auch unserer sozialpolitischen Bedeutung, da unser Berufsstand durch die Vermittlung von Produkten zur Altersvorsorge und zur Risikoabsicherung an zukunftsfesten und nachhaltigen Lösungen arbeitet.
++ Die Versicherungsvermittler erfüllen einen wichtigen sozialpolitischen Auftrag, Kunden zur Absicherung von Lebensrisiken und zur auskömmlichen Altersvorsorge zu beraten und ihnen dazu die richtigen Produkte zu vermitteln. Deshalb fordert der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), dass diese Rolle unseres ehrbaren Berufsstands von der Politik endlich anerkannt wird. In diesem Zusammenhang fordert der BVK, an den politischen Beratungen zur Reform der privaten Altersvorsoge beteiligt zu werden.
Den von der neuen Bundesregierung im Koalitionsvertrag anvisierten ‚öffentlich verantworteten Fonds‘ für die private Altersvorsorge halten wir nicht für angemessen, ja sogar für inakzeptabel. Äußerst bedenklich stimmt uns, dass hier geplant ist, eine Art Automatismus für alle einzubauen, solange man nicht aktiv widerspricht. Wir sehen die Einrichtung eines Staatsfonds als schlechte Lösung an, da bekanntermaßen der Staat nicht der bessere Unternehmer ist.
Außerdem besteht hierbei die Gefahr, dass sich der Staat in schlechten Finanzzeiten aus dem Fondsvermögen der Vorsorgesparer bedient. Auch würde die neue Bundesregierung mit einem Einheitsprodukt die Individualität der Lebensstile ignorieren, die unsere Gesellschaft kennzeichnet. Das würde bedeuten, dass alle ein Einheitsprodukt erhalten.
Eine passgenaue und qualifizierte Vermittlung von Altersvorsorgeprodukten, für die die Versicherungsvermittler stehen, würde damit obsolet. Wir setzen uns dagegen für eine Reform der seit nunmehr zwei Jahrzehnten bewährten Riester-Rente ein: Sie soll entbürokratisiert und vereinfacht sowie auch der Kreis der Zulagenberechtigten soll erweitert werden. Zudem soll der Garantiezwang entfallen, damit durch chancenreichere Investments höhere Renten erzielt werden können.
Die neue Regierung sollte erst einmal das Riester-System reformieren und ihm eine Chance geben, bevor sie allen ein Einheitsprodukt überstülpt. Dass bei der zweiten Säule der betrieblichen Altersvorsorge die künftige Regierung plant, chancenreichere Investments zu erlauben und damit die Rentengarantien etwas zu lockern, begrüßen wir.“