vt – Aktuelle Themen

Marktwächter: Erfolge verkünden, aber Beweise schuldig bleiben

„Erfolgskonzept Marktwächter“ titelt die SPD-Bundestagsfraktion am 22.06.2016. Nach nur 18 Monaten zeige sich, so deren verbraucherpolitische Sprecherin Elvira Drobinski-Weiß, dass die SPD „mit der Einführung von Marktwächtern in der digitalen Welt sowie für den Finanzmarkt goldrichtig“ lag: Klaus Müller, Vorstand Verbraucherzentrale Bundesverband, hat heute im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz über den Aufbau und die ersten Erfolge in der Arbeit der Marktwächter berichtet. Bisher wurden von November 2015 bis heute fünf Untersuchungen veröffentlicht. Hierbei wurden die Themen Transparenz beim Dispositionskredit, bedarfsgerechte Geldanlage, Streaming-Dienste und Werbung im Grauen Kapitalmarkt unter die Lupe genommen.“ Nun ist es nicht verwunderlich, wenn derjenige, der fast 17 Mio. € Steuergelder erhält, seine Ergebnisse, die er dafür produziert, lobt. Es ist auch verständlich, dass es die SPD als Forderer und Befürworter der Marktwächter begrüßt und froh ist, wenn es Erfolgsmeldungen von den Marktwächtern gibt. Aber ist es angebracht, dass die SPD sich dabei auf das eigene Schulterklopfen der Marktwächter verlässt? Oder wäre es nicht besser, die Meldungen der Marktwächter zu deren Erfolgen kritisch zu hinterfragen und zu überprüfen, ob diese auch tatsächlich so gegeben sind? Immerhin geht es um Steuermillionen! Statt der Selbstbeweihräucherung anheim zu fallen, hätte eine durchgängige Berücksichtigung der Ausschusssitzung genügt. Denn in der Bundestags-Meldung darüber liest sich das Marktwächter-Treiben alles andere als eine Erfolgsbilanz: „Auf die Frage aus dem Ausschuss, ob sich auch Erfolge auf Seiten der Verbraucher feststellen ließen, die sich aufgrund der Arbeit der Marktwächter anders am Markt verhielten, musste Müller passen. Dies zu ermitteln, übersteige die Möglichkeiten der Verbraucherzentralen“, heißt es dort. Auch wir wüssten gerne, welche Erfolge der sogenannte ‚Marktwächter Finanzen’ vorzuweisen hat. Uns sind keine bekannt. Und überall, wo wir hingeschaut haben, zeigten sich Untersuchungen auf Basis geringer Sachkenntnis und fehlender Repräsentativität (vgl. ‚vt’ 01, 19, 23 und 25/16), deren Ergebnisse gleichwohl mit viel Marktwächter-Geschrei in die Medien geblasen wurde. Die staatlich alimentierte Pseudo-Wissenschaft der Marktwächter soll aber noch ausgebaut werden: „Die SPD-Bundestagsfraktion setzt sich dafür ein, Marktwächter auch für Lebensmittel, Gesundheit und Energie aufzubauen.“

‚vt’-Zwischenfazit:  ++ Fehlt noch der ‚Marktwächter Autos’. Der begibt sich in eine Autowerkstatt, dort stehen 20 Fahrzeuge. Ein Fahrzeug ist repariert und steht zur Abholung durch den Besitzer bereit. 19 Fahrzeuge sind defekt, haben einen Platten, sind an der Karosserie oder dem Motor beschädigt. Zu dieser Untersuchung berichtet der ‚Marktwächter Autos’ in seiner Pressemitteilung: „95 % der deutschen Autos sind reparaturbedürftig.“ Das ist das Niveau, auf dem die Marktwächter der vzbv und Verbraucherzentralen 17 Mio. € Steuergelder in die Luft blasen  ++ An den jüngsten Marktwächter-‚Erkenntnissen’ (vgl. ‚vt’ 23/16) auf dem Grauen Kapitalmarkt haben die Kollegen unserer Schwesterredaktion ‚kapital-markt intern’ erhebliche Zweifel an der Sachkenntnis der Marktwächter, für welche Produkte welche Registrierung (und ab wann) notwendig ist. Gegenüber unseren Kollegen verweigern die Marktwächter jedoch eine Auskunft zu den konkreten Umständen. Negative Ergebnisse und Berichte über die Finanzbranche, die auf Unfähigkeit der Marktwächter beruhen? Mehr dazu in einer der kommenden ‚vt’-Ausgaben.

Teilen Sie diese Neuigkeit in Ihrem Netzwerk