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Nürnberger Stärke: Es war einmal … doch dann ging es bergab

„Die Nürnberger und die Burg – eine starke Verbindung“, lautet ein bekannter Werbeslogan der Nürnberger Versicherung. „Seit 1928 steht die Nürnberger ganz im Zeichen der Burg“, soll von der Wehrhaftigkeit einer Burg auf die Stärke des Versicherer geschlossen werden: „Wie eine Burg bietet auch die Nürnberger Schutz und Sicherheit in allen Lebenslagen.“ Doch das 100jährige Jubiläum wird der fränkische Versicherer wohl nicht mehr erleben, jedenfalls nicht in Unabhängigkeit. Denn die Franken gaben am 08.08.2025 bekannt, dass die Nürnberger Beteiligungs-AG und die Vienna Insurance Group AG (VIG) „sich in Gesprächen über eine strategische Zusammenarbeit“ befinden. Dazu plane „die VIG die Übernahme einer kontrollierenden Mehrheitsbeteiligung an der Nürnberger“. Beide Unternehmen gaben bekannt, eine entsprechende Due-Diligence-Prüfung zu starten. Vom einst renommierten Versicherer zum Übernahmekandidat – das ist ein steiler Absturz sondergleichen! Der kommt nicht von heute auf morgen. Im April präsentierte die Nürnberger Versicherung problematische Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2024. Für die Schaden-/Unfallsparte musste ein negatives Ergebnis von -157,4 Mio. € und beim Konzernergebnis ein Rückgang von 42,8 Mio. € auf -77,0 Mio. € vermeldet werden. Natürlich hat auch die Nürnberger die allgemeine Entwicklung der stark gestiegenen Schadenaufwendungen aufgrund zunehmender Schäden, Inflation, höhere Material- und Lohnkosten bei Handwerkern, getroffen. Doch reicht das, wie verschiedentlich zu lesen, als Erklärung aus für die prekäre Lage oder liegen die Ursachen nicht doch tiefer und länger zurück als ein schlechtes Geschäftsjahr 2024? Sind Tarife auskömmlich kalkuliert und in den Leistungen wettbewerbsfähig? Wie positioniert sich die Nürnberger beim (digitalen) Service und in der vertrieblichen Aufstellung? Dazu liefern wir seit Jahren Antworten, wie die Nürnberger im Umgang mit Versicherungsmaklern und deren Kunden seit mehr als 10 Jahren immer wieder ein Fehlverhalten an den Tag legte:

++ „Nürnberger und Maklerrecht – Zwei unvereinbare Sachverhalte?“ (vgl. Spezial Recht ‚vt’ 09/11)  ++ Die „Nürnberger macht sich für Makler uninteressant“ (vgl. ‚vt’ 13/15)  ++ Mangelhafte „Kundenorientierung und Kodexerfüllung der Nürnberger“ (vgl. ‚vt’ 20/15)  ++ „Nürnberger: Versicherungsmaklerkompetenz adé – Neugeschäft unerwünscht“ (vgl. ‚vt’ 21/16) ++ „Nürnberger ‚arbeitet’ emsig daran, sich aus dem Maklermarkt zu verabschieden“ (vgl. ‚vt’ 24/16) ++ „Missmanagement bei der Nürnberger Pensionsfonds AG“ (vgl. ‚vt’ 32/16 und 33/16).

++ „Üble Direktabschluss-Masche am Ursprungsvermittler vorbei!“, titelten wir den Bericht über das Ergebnis unserer damaligen Recherche (vgl. ‚vt‘ 16/17) und monierten, dass die Nürnberger Versicherung „bei auslaufenden LV-Policen mit sogenannten Wiederanlagespezialisten (WAS) die Kunden direkt“ anspricht  ++ Diese unfaire Praxis mit Umgehung der Ursprungsvermittler, Vertreter wie Versicherungsmakler, deckten wir bereits im Dezember 2016 auf (vgl. ‚vt‘ 49/16). So stellten die ‚klugen‘ – aus unserer Sicht hinterhältigen – Nürnberger ‚Wiederanlagespezialisten‘ fest, dass die übliche LV-Ablaufinfo an den Kunden für die Interessen der Franken schädlich ist  ++ „Nürnberger Umdeckungsaktion: Versicherungsmakler sollten Vorsicht walten lassen“ (vgl. ‚vt‘ 37/19). Wir empfahlen „insbesondere Versicherungsmaklern aus Haftungsgründen höchste Vorsicht bei dieser Umdeckungsaktion“  ++ FondsFinanz und Nürnberger kurbeln schnellen Verkauf von BU an“ (vgl. ‚vt‘ 25/20). ‚„Stark vereinfachte Gesundheitsfragen‘, wie von Fonds Finanz beworben, sind nicht wirklich gegeben. (…) Letzteres mit allen Risiken nach VVG für VN und Haftungsgefahren für Versicherungsmakler. Denn hier stehen Umsatzgenerierung durch Verkauf im Vordergrund, nicht die qualifizierte Beratung und Vermittlung“, so unser Fazit seinerzeit  ++ Im Bericht „Bei der Nürnberger sind Versicherungsmakler mal wieder verratzt und verloren“ (vgl. ‚vt‘ 06/21) beleuchteten wir eine Wohngebäude-Bestandssanierung der Nürnberger Allgemeine Versicherungs-AG, bei der Versicherungsmaklern zur Prüfung und Umdeckung teilweise nur drei (!) Arbeitstage bis zur Nürnberger Ablaufkündigung blieben. Unsere Kritik: „Wenn es um das Kundenwohl geht, dann knallt man den VN nicht so kurzfristig den Rauswurf vor die Nase. (…) Mit einem unzuverlässigen Kantonisten zusammenzuarbeiten, erhöht die Haftungsgefahr eines Versicherungsmaklers. Was waren das noch für Zeiten, als man bei der Nürnberger noch von einem Maklerversicherer sprechen konnte.“

‚vt‘-Fazit: Der Niedergang der Nürnberger beruht u. E. weniger auf einem erhöhten Schadenaufkommen und Inflation, sondern kolossalen Fehlentscheidungen und -entwicklungen, für die insbesondere – auch frühere – Vorstände verantwortlich sind. Sollte die Vienna Mehrheitsgesellschafter werden und das Ruder übernehmen, darf man gespannt sein – und werden wir beleuchten –, wie die Nürnberger zukünftig in tariflichen und vertrieblichen Gewässern unterwegs ist.

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