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Warnung vor Versicherungsmaklern in der ZDF-Sendung ‚Drehscheibe‘

Ein Rentner hatte einen Termin mit einer Partnervermittlung, er erhielt Besuch von einer Frau, die sich als Mitarbeiterin der Agentur präsentierte, statt ursprünglich 350 € sollte er plötzlich 4.000 € bezahlen, man wurde sich nicht handelseinig, später stellte er fest, dass im Wohnzimmer deponierte 800 € verschwunden waren, durch einen Zufall wurde die Täterin fotografiert. Das ist in Kurzfassung Hintergrund des Berichts „Betrügerin gesucht“ in der ‚ZDF‘-Sendung ‚Drehscheibe‘ vom 04.03.2021.

Die Aufklärung ist angebracht, doch am Ende folgt ein Interview mit Polizeihauptkommissarin Fränze Töpfer von der Landespolizeiinspektion Nordhausen, die folgenden Ratschlag erteilt: „Also wenn man von fremden Personen, das muss ja nicht immer eine Partnerschaftsagentur sein, das können auch Versicherungsmakler oder andere Vertreter sein, wenn man diejenigen in die Wohnung lässt, wenn man fremde Personen in die Wohnung lässt, sollte man immer persönliche Unterlagen wegschließen und auf keinen Fall erwähnen, dass man möglicherweise Bargeld im Haus hat.“  

Versicherungsmakler als Synonym für Nepper, Schlepper, Bauernfänger? Nicht nur Werner Zander, Geschäftsführer Werner Zander Versicherungsmakler GmbH/Düsseldorf, kann das nicht fassen und schaltet ‚vt‘ ein: „Ich bin erbost, dass wir namentlich als ‚Versicherungsmakler‘ von der Pressestelle der Polizei Nordhausen derart verunglimpft wurden.“ Umgehend haken wir in Nordhausen nach, PHKin Töpfer steht Rede und Antwort. Sie distanziert sich „ausdrücklich von dem Vorwurf gezielt und generell die Versicherungsbranche, insbesondere die Versicherungsmakler, als unseriös darzustellen“.

Sicher „bestand die Möglichkeit, nur von fremden Personen zu sprechen“, jedoch zeige „die polizeiliche Erfahrung, dass die agierenden Täter in diesem Deliktsbereich gerade spezielle Berufsgruppen als Vorwand missbrauchen“. Ja, aber dann sind es eben keine wirklichen Versicherungsmakler, wie es im Interview rüberkommt, sondern Personen, die sich als Versicherungsmakler ausgeben. Für die missglückte Wortwahl möchte sich die PHKin „ausdrücklich entschuldigen“ und sagt zu: „Ich werde zukünftig noch genauer auf meine Wortwahl achten.“ Wie Frau Töpfer erläutert, habe sie auf die im Rahmen einer gerichtlich verfügten Öffentlichkeitsfahndung erfolgte Medienproduktion keinen Einfluss.

Die Produktionsfirma verkaufe „das Interview an diverse TV Produktionen“. Bei einem Interview vor laufender Kamera kann man sich schon mal unglücklich ausdrücken, aber da es sich nicht um eine Live-Sendung handelte, kann man nachträglich Veränderungen vornehmen, bspw. die beiden Worte „Versicherungsmakler oder“ rausschneiden oder sich von der pauschalen Diskreditierung eines Berufsstandes distanzieren. Warum wurden diese beiden Worte nicht rausgeschnitten? Warum distanzierten sich Autor Florian Kortschik oder Moderatorin Sandra Maria Gronewald nicht davon? Die Fragen hatten wir dem ZDF vorgelegt, bis Redaktionsschluss lag leider keine Antwort vor.

‚vt‘-Fazit: Selbst wenn das Publikum durch eine plakative Sprachweise besser zu erreichen ist, so ist das kein Grund, einen Berufsstand per se als unseriös darzustellen – auch wenn das nicht absichtlich geschah. Aufmerksamkeitsstarke Berichte lassen sich auch ohne pauschale Verunglimpfung eines ganzen Berufsstandes erzeugen. Dieser Sensibilität und diesem Maßstab sollten auch ZDF-Mitarbeiter gerecht werden. Informieren Sie uns, wenn in Medien der Berufsstand des im Auftrag des Kunden arbeitenden Versicherungsmaklers verunglimpft wird, wir haken nach. PHKin Töpfer hat uns jedenfalls zugesagt, zukünftig noch genauer auf ihre Wortwahl zu achten.

 

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